Neid ablegen und Mitfreuen anschalten

Ein Geständnis: Auch ich bin hin und wieder sehr neidisch. Auf Frauen mit Wollsocken und Kaffee in leicht zerwühlten Laken. Auf Bücher die jeder Blog in den Himmel lobt. Auf Menschen die andere Menschen munter anquatschen und auch noch Spaß dabei haben. Auf Autorinnen die einfach immer gut schreiben, sogar bei Twitter. Auf Erfolge, die ich auch gern hätte, Ideen, die mir so nie gekommen wären, Mut, der mir immer irgendwie fehlt.

Dabei bin ich kein missgünstiger Mensch. Ich möchte keineswegs, dass irgendjemand etwas nicht hat, ich hätte dasselbe bloß auch gern. Aber noch lieber hätte ich, dass ich gar nichts lieber hätte als das, was ich habe. Und am allerliebsten wäre mir, ich könnte mich auch für völlig Fremde von Herzen freuen, wenn sie etwas haben, das ich auch gern hätte.

Warum Ziele manchmal einsam machen

Natürlich ist es an sich nicht verkehrt, wenn man im Auge hat, was man gern will. Ohne Wünsche keinen Antrieb, ohne Antrieb kein Ergebnis, ohne Ergebnis große Langeweile. Und wer will sich schon den ganzen Tag langweilen? Schwierig wird es, wenn diese Ziele so wichtig werden, dass es, wenn anderen Menschen mehr oder besseres gelingt, schnell zum Stich im Herzen und zu großem Zweifel führt. Das lähmt, macht unglücklich und hilft auch keinem, vor allem nicht dir selbst.

Das soll jetzt nicht heißen, dass man sich keine Ziele mehr setzen oder sich keine Erfolge mehr für sich selbst wünschen darf, das wäre Quatsch, sondern dass man beides unabhängig davon machen sollte, was anderen in derselben Sache passiert. Also Ziele ja, aber Vergleiche nein: Seinen geplanten oder erhofften Weg gehen, ohne sich dabei ständig darüber zu grämen, dass man selbst überall Steine liegen hat, während andere scheinbar über Luxusasphalt gleiten ohne je ins Stolpern zu geraten. Was übrigens wahrscheinlich sowieso Unwinn ist, selbst die besten Läufer fallen hin und wieder mal hin.

Manchmal viel schöner als äußere Ergebnisse sind übrigens ohnehin die inneren Ziele; all jene Dinge, die man nicht nur erreichten will um etwas zu haben, sondern um etwas zu geben. Und da passt Neid einfach nicht rein.

Zusammen feiern statt einzeln neiden

Denn alles Gute, was ein anderer schafft kann und darf schließlich auch Inspiration sein; der Beweis, dass es geht, die Anregung, selbst weiterzumachen, die Idee, etwas Neues zu versuchen. Statt traurig zu sein, dass jemand es schafft, immerzu witzig und cool zu sein, kann ich schauen: Wie macht der das eigentlich? Passt das auch zu mir? Statt jemand sein zu wollen, der ich gar nicht bin (aber eventuell gern wäre), kann ich in guter alter Star-Trek-Manier sagen: „Ich erfreue mich an unseren Unterschieden!“ Und, wichtige Ergänzung: „Ich erfreue mich an deiner Freude!“

Darum will ich in Zukunft  versuchen, die Erfolge und Ideen der Anderen viel öfter mal echt und ehrlich zu feiern. Wie? Na wie man das halt so macht im Netz: Viel häufiger etwas mal teilen, was mir gefällt. Noch mehr kommentieren, liken, weiterleiten. Regelmäßig  meine Lieblingsblogposts aufzählen und auf Menschen hinweisen, die ich unterhaltsam, sympathisch oder inspirierend finde. Kurz gesagt: Ich will ab jetzt mehr Glück, Freude und Liebe verteilen. Und dann erledigt sich das mit dem Zwischendurchneiden ganz sicher von selbst.

12 Kommentare

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  1. Die Erfolge anderer feiere ich ja total gerne und aus tiefstem Herzen… wenn sie mir sympathisch sind, die anderen. Sonst ziehe ich die rechte Augenbraue hoch – das habe ich mittlerweile perfektioniert – und denke unnette Sachen.^^ Nebenbei bemerkt feiere ich gerade das Buch, das ich seit gestern lese. Ich sage nur: Menschen mit Plan hocken selten im Rinnstein. Ein wunderbarer Satz, Liebe auf den ersten Blick. Seit gestern Abend überlege ich, welchen Rinnstein ich mir jetzt suche oder ob ich vielleicht doch noch einen brauchbaren Plan aus dem Boden stampfe. Ich lese jetzt erstmal weiter, das scheint mir ein guter Plan zu sein. ;)

  2. Sehr schöner Blogbeitrag und wichtiges Thema, da ich mich auch ertappe durch den Erfolg anderer eher deprimiert zu sein und das gerne ändern möchte:)

  3. Ich weiß ganz genau, was du meinst. Grade durch das Studium bin ich im Job eben noch nicht so weit wie Freunde, die schon seit sie 18 sind im Berufsleben stehen. Ich sehe dann nicht, dass ich immerhin ein Studium absolviert habe, sondern dass ich eben noch nicht dies oder jenes habe und und und. Und schon steckt man in einer Selbstmitleidspirale, die einfach nicht gut tut. Ich fand kürzlich die Idee eines Glückstagebuches schön…jeden Tag die kleinen Erfolge, Glücksmomente aufschreiben. Das tut echt gut!

    • Ja, das ist toll! Ich hab mal eins für meinen Freund gebastelt, der ist nämlich von Haus aus Pessimist :D komisch, dass man dazu neigt, immer auf das zu achten, was man nicht hat, statt auf das, was man hat und kann. Ist wirklich mein großes Vorhaben dieses Jahr, das endlich abzulegen!

  4. Ich verstehe Dich gut. Da sind die, die immer toll aussehen, auch wenn sie in einem Sack stecken, die kontaktfreudigen und (scheinbar) mühelos erfolgreichen usw. Aber ich beneide sie nicht (mehr). Ich bin wie ich bin, mich verbiegen um wie andere zu sein, macht mich nicht glücklicher. Außerdem ist ja gar nicht klar, ob die anderen mit dem, wie sie sind glücklich sind. Die sehen auch ihre (vermeintlichen) Schwächen und schauen auf andere. Bestimmt auch auf Dich.

    • Dann nehme ich mir dich ab jetzt zum Vorbild :D Ein bisschen Übung braucht es bei mir noch, bis ich wirklich unabhängig von Anderen bin. Aber das ist auch okay – man muss ja nicht alles immer sofort perfekt hinbekommen!

  5. Neid ist kein „schönes“ Gefühl, lässt sich aber nicht immer vermeiden oder gar unterdrücken. Vergleichen kann definitiv neidisch machen. Also lieber nicht vergleichen. Ausserdem sieht man beim Vergleichen sowieso immer nur an die Fassade, an das, was sichtbar ist. Oft ist die wirkliche Situation ganz anders.
    Neid kann in Ansporn zu Veränderung umgewandelt werden. Oder als Besinnung, sich seines eigenen Lebens bewusst zu werden. Das doch in aller Regel gut ist. (hoffe ich)
    Herzliche Grüsse
    Sibylle

  6. Ach, ich weiss gar nicht, was ich bei meinem Profil eingestellt habe: http://www.wegwunder.ch wäre die „richtige“ Adresse

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