Ich bastle mir einen Buchtrailer!

…beziehungsweise ich habe gebastelt. Also wir haben gebastelt; denn ohne meinen werten Partner, der so komische Sachen kann wie After Effects und Photoshop, wäre das nichts geworden mit mir und meinem Trailer. Das wäre sehr schade, denn ich mag das Ergebnis:

Was nun folgt ist für mich eher untypisch, weil in erster Linie ein Erlebnisbericht, zwar angereichert mit Fotos und Videos aber dafür ohne größere Erkenntnis. Außer der, dass mein Freund ganz schön cool ist. Wenn er denn Lust dazu hat.

Schritt 1: Denken

Erstmal haben wir geplant (das können wir eh am besten, wobei wir in 99% der Fälle zu faul sind, unsere Gedanken in die Tat umzusetzen). Was soll der Trailer erzählen? Wie lang soll er sein? Welchen Stil soll er haben? Mit Text oder ohne? Musik? Wenn ja, wie soll sie klingen? Schon hier kam der Computer ins Spiel, weil wir uns zahlreiche Beispiele angeguckt haben. Lasst uns da nicht ins Detail gehen, das ist besser für meinen Ruf und eure Psyche.

Klar war, dass wir keinen Realfilm machen wollten (ich bin nicht nur extrem unfotogen, sondern führe mich beim filmen auch so auf wie eine Mischung aus William Shatner und einem Reh im Scheinwerferlicht). Nun kann man leider nicht sagen Animation! und damit ist die Sache erledigt. Zeichentrick? Stopmotion? Eher so South Park oder mehr My Little Pony? Ich hatte irgendwann die Idee, die Charaktere aus Pappe auszuschneiden, weil das relativ einfach ist, hübsch aussieht und auch nicht unpassend scheint für ein Paperback. Okay, Taschenbuch, aber wer wird denn gleich Erbsen zählen?

Die Grundidee des Trailers (kurz, witzig, animiert) skizzierten wir dann sehr hübsch und total leserlich auf der Rückseite einer Hotelrechnung.

Liebe geht immer TRL - Making Of 1 Storyboard 2 b

Schritt 2: Suchen

In Berlin weiß ich ganz genau wo ich sämtliche Arbeitsmaterialien für so ziemlich jede Bastelarbeit beschaffen kann (Ich liebe dich, Modulor!). In Iquitos, Peru sah die Sache ein wenig anders aus. Aber nach stundenlanger, schweißgebadeter Suche im feuchtheißen Betondschungel fanden wir einen Schreibwarenladen, der tatsächlich alles hatte was wir brauchten. Und Goldfolie. Man kann nie zuviel Goldfolie haben.

Musik finden war einfacher, zumindest insofern, als dass es im Internet zahlreiche Datenbanken gibt wo man für relativ wenig Geld relativ gute Melodien finden kann. Und zwar GEMA-frei, weil allein so einen Song anzumelden der pure Horror ist. Schwierig war eher, den richtigen Suchbegriff zu finden. Funny? Leichtherzig? Something with cats?  Den Durchbruch brachte dann nicht die Suche mit Schlagworten sondern das Filtern nach Art (Electroswing). Haben wohl doch ihren Sinn, diese verdammten Genres.

Schritt 4: Vertonen

Der Text stand vergleichsweise zügig, ich habe mehr oder weniger einfach die Idee des Klappentexts mit einem alten Blogartikel gemischt. Zugegeben; bei der Vertonung selbst hatte ich einen Vorteil: Ich habe eine professionelle Sprecherausbildung. Keine jahrelange, aber eine, die für’s Vertonen von Fernsehbeiträgen reicht. Das geht dann im Notfall auch für einen Trailer. Außer natürlich, man hat zuviel Fanta getrunken und muss ständig rülpsen. Aber auch das geht vorbei, Gott sei Dank.

Schritt 5: Basteln

Mit anderen Worten (und Bildern): Designs entwickeln, auf Papier zeichnen zum Abpausen …

IMG_8231

… und dann aus Pappe schneiden und aufkleben zum Abfotografieren.

img_7558.jpg

Das dauert. Und dauert. Und …

Schritt 5: Proben

Mein Freund hat einen Realismusfetisch. Weshalb er nicht einfach mal Fünfe grade sein lässt, sondern selbst Wegstoßen und Hinfallen kleinlichst überprüft und testet. Die Folge: Gefakte häusliche Gewalt.

Liebe geht immer TRL - Making Of - Rotoscoping

Schritt 5: Animieren

Hier konnte ich mich verhältnismäßig bequem zurücklehnen und zuschauen, wie die Dinge ihren Lauf nahmen.

Manchmal wortwörtlich.

Zwischendurch hatte ich immer Angst, dass das jetzt so bleiben soll …

IMG_7611.jpg

… aber so funktioniert halt der kreative Prozess; die eine Hälfte schiebt man auf und die andere verwirft man wieder. Ein Wunder, dass überhaupt jemals etwas fertig wird.

Übrigens: Gerne hätte ich auch unsere Zwischenschritt-Videos gezeigt, aber das geht leider nicht, weil da lauter Platzhaltergrafiken drin sind, für die ich nicht bezahlt habe und die ich deshalb nicht veröffentlichen kann. Was der Rest gekostet hat, ist schwer zu sagen, weil vieles was man sonst anschaffen und/oder beschäftigen muss (meine Stimme, Equipment, mein Freund), praktischerweise schon da war.

Schritt 6: Freuen!

Selbsterklärend. Und von erstaunlich langer Dauer: Obwohl ich meine eigene Stimme hasse und dieses Lied quasi schon rückwärts summen kann, freue ich mich immer noch, dass wir uns die ganze Arbeit gemacht haben. Nicht so sehr weil ein Trailer unglaublich viel bringt (ich habe keine Ahnung, ob es wirklich hilft einen zu haben), sondern weil es toll ist, wenn ein Projekt gelingt. Und dieses, finde ich, ist doch ganz gut gelungen, oder?

22 Kommentare

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  1. Super! Der Trailer gefällt mir richtig gut. 👍 Da habt ihr ganze Arbeit geleistet. ☺

  2. Mir gefällt der Trailer ebenfalls sehr gut (hatte ich dir ja schon geschrieben) ;)
    Ich bin dennoch überrascht, wie aufwendig das wirkt. Also, mir war schon irgendwie klar, dass es aufwendig ist. Aber nicht, dass es SO aufwendig ist. Hoffentlich muss ich niemals einen Buchtrailer machen (oder kann mir zumindest deine Stimme und deinen Freund ausleihen :D)

  3. Wow, der ist echt klasse geworden! Ein tolles Team – ein toller Trailer :)

  4. Wow, den Trailer finde ich echt klasse und ich habe deinen Beitrag mit Freude verschlungen. Mir war nie wirklich bewusst wie viel Arbeit und wie viele Schritte hinter sowas steckt. Die Arbeit hat sich bei dem Trailer definitiv gelohnt. Sehr interessant auch mal hinter die Kulissen zu schauen, danke dafür ^^

    • Supergern! Ich war mir nicht sicher, ob das wirklich jemanden interessiert, aber weil ich selbst vorher keine Ahnung hatte, was man da alles so machen muss, dachte ich, dass ist vielleicht auch für jemand anderen spannend. Schön, dass ich mich nicht getäuscht habe. Und vielen Dank für das Kompliment!

  5. Ich bin schon ganz hibbelig und freu mich auf den 9. März. Warum nur?^^ Und ich denke, dass ich dein Buch nicht über die amazonen bestellen werde, sondern im Buchladen nebenan – es sei denn, es lacht mich gleich aus dem Schaufenster an, dann nehme ich es direkt mit. ;)

    Der Trailer ist klasse und richtig stimmig. Und apropos stimmig: Deine Stimme! Vielleicht solltest du mal Hörbücher aufnehmen? Ich lasse mir normalerweise nicht gerne was vorlesen, weil ich eine schlimme Stimmenfetischistin bin, demzufolge heißt das übersetzt: Ich bin ein bisschen in deine Stimme verliebt. *hier Smiley mit Herzchen in den Augen einblenden, den bekomme ich nicht hin*

    • Oh nein, nicht du auch noch! :D Mein Freund sagt auch schon die ganze Zeit, ich soll dem Verlag anbieten mein eigenes Hörbuch einzulesen – aber ich trau mich nicht so richtig, ich selbst kann meine Stimme nämlich kaum ertragen! Ich freue mich übrigens wie irre, dass du dich auf das Buch freust. Das ist echt megasuperriesenübergeil! :)

  6. Wah! Wie toll ist das denn? Ich musste sofort an South Park denken. Meinen tiefsten Respekt! Die einzelnen Bilder (Spiegel, Waffel und Burger etc.): Habt ihr die gezeichnet oder gedruckt?

  7. Coolio! Nachdem der Buchtrailer dann hunderttausend potenzielle Käufer neugierig gemacht hat, kann er sich ja selbst mal zur Wahl stellen: http://futurepublish.berlin/deutscher-buchtrailer-award/
    Er muss sich dafür auch gar nicht weiter optimieren ;)

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