Leben im Fokus: Lektionen aus der offline-Zeit

Hallo, hello und guten Tag, hier bin ich wieder. Zurück im Netz, wieder im Blog und überhaupt: Online! Anwesend! Mitredend! Schön ist’s, das kann ich nicht leugnen. Es hat mir schon gefehlt zwischendurch. Dennoch war die Zeit, in der ich offline war (akute Recherche für den zweiten Roman und Kommunikation mit Verlag, Steuerberater und Freunden ausgenommen) alles in allem sehr angenehm und vor allem: Lehrreich.

Was ich offline gelernt habe …

  1. Nichts wird so heiß gelesen wie es geschrieben wird! Meine Feedly-Bilanz nach vier Wochen ohne: 1k+ ungelesene Artikel. Natürlich ist es illusorisch zu glauben, dass man das aufarbeiten könnte. Aber man merkt schnell: Man muss auch nicht. Die Rosinen, die man sich herauspickt, bleiben frisch und lecker, auch wenn sie schon ein wenig älter sind. Selbst wenn ein interessanter Text nicht von heute und die Diskussion dazu schon älter ist; der Spaß am Lesen und Kommentieren geht nicht verloren.
  2. Abstinenz fördert Reichtum: Wenn man sich nicht immerzu ablenken lässt von den guten Ideen anderer Leute, fällt es mitunter leichter, auf eigene zu kommen. So zumindest ist es mir ergangen. Ich habe in den letzten Wochen mehr Einfälle für Artikel, Kurzgeschichten und sogar Romane notiert als sonst. Im Kopf ist einfach mehr Platz und der füllt sich schon fast automatisch.
  3. Mehr Zeit für’s Erleben: Wenig überraschend räumt es viel Zeit frei, wenn man sich dem Internet für eine Weile verweigert. Zeit, die man nutzen kann, das Leben mit Erlebnissen anzureichern, mit Abenteuern, die man am eigenen Leib erfährt und nicht nur durch Lesen, Anschauen oder Fantasieren erkundet. Es muss ja nicht immer gleich eine Tour durch einen der gefährlichsten schiffbaren Flüsse der Welt sein (in der Regenzeit! Bei Hochwasser! Ich muss verrückt gewesen sein …)
  4. Man wird entspannter: Anfangs fiel es mir sehr schwer, mich nicht in jedes verfügbare W-Lan einzuloggen, Feedly und WordPress geschlossen zu lassen und auch sonst nichts zu posten. Doch es ging und irgendwann ging es nicht nur, es ging sogar leicht. Eine Entspannung, die sich auch auf den Alltag auswirkte. Erst offline merkte ich, dass online nicht nur Spaß, sondern auch Stress bedeutet und dass dieses Level an Anspannung logischerweise auch alles andere im Leben beeinflusst.

… und was ich online ändern werde!

  1. Nie wieder Push-Up-Nachrichten! Ich bin sicher nicht die einzige, die – ohne es zu merken – das Bedürfnis entwickelt hat, immer alles sofort zu wissen und zu beantworten. Jede Whatsapp, jede Mail, jeder Kommentar: Alles ist just in dem Moment auf unserem Handy, in dem ein Anderer es abgeschickt hat. Und deshalb unterbrechen wir ständig, was wir gerade tun, um zu lesen, zu antworten und ebenso schnell zu sein wie alle anderen. Dabei ist das meistens gar nicht nötig: Nüchtern betrachtet gibt es kaum etwas, das so dringend ist, dass es genau jetzt abgehakt werden muss. Deshalb werde ich in Zukunft alle Push-Nachrichten ausstellen und lieber in regelmäßigen Abständen überprüfen, ob es etwas Neues gibt. Das fördert die Konzentration und die Gelassenheit.
  2. Internetfreie Zeiten! Eine Weile hatten mein Partner und ich die Angewohnheit, das Handy für ein oder zwei Tage am Wochenende komplett auszustellen und auch den Laptop zugeklappt zu lassen. Nichtmal Google war erlaubt und siehe da; es war gar nicht schlimm. Es war sogar sehr schön. Leider haben wir irgendwann damit aufgehört, nicht bewusst, sondern weil schlechte Gewohnheiten sehr gut darin sind, sich heimlich wieder einzuschleichen. Doch nach der herrlichen Erfahrung der Netzstille habe ich mir fest vorgenommen, wieder solche Tage einzuplanen. Allein schon, weil sie helfen, kreativ zu sein.
  3. Nicht mehr parallel surfen! Früher habe ich alle möglichen Tabs gleichzeitig offen gehabt: G-Mail, WordPress, Workflowy, Feedly etc. etc. … Was zwangsläufig dazu führte, dass ich ständig hin- und hergesprungen bin: Vom gerade angefangenen Blogartikel zu meinen ungelesenen Nachrichten und wieder zurück, unterbrochen von Phasen des schnellen Lesens und sinnlosen Googelns. Das ist ineffektives Zeitmanagment und außerdem respektlos: Meinen eigenen Texten gegenüber genauso wie denen anderer Leute. Und genau deshalb mache ich ab jetzt alles nach- und nicht durcheinander.

Ich glaube, man kann das alles in einem einzigen Wort zusammenfassen, nämlich: Fokus. Fokus auf das, was gerade passiert, im Netz oder in der Welt, Fokus auf die Gegenwart, auf das Geschehen, Fokus auf das, was ich bewusst gewählt habe für jeden einzelnen Moment meines Tages. Das ist ein hohes Ziel, weil vieles in unserem Leben dagegen wirkt, dass wir uns durchgehend auf eine einzige Sache konzentrieren. Aber der Lohn, so glaube ich, ist hoch: Klarheit, Freude und das befriedigende Gefühl, selbst die Kontrolle über sein Leben zu haben. Und zwar offline genauso wie online.

18 Kommentare

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  1. Na toll. Und für diesen Artikel hab ich prompt meine Textbearbeitung unterbrochen …

    :*

  2. Vielen Dank für diesen Denkanstoß.
    Ich habe tatsächlich das Problem, von meinem Text immer mal wieder woandershin zu klicken. Das kann mitunter auch der Reader sein und dann bleibe ich möglicherweise ganz schön lange da hängen.
    Schreibe ich mit Stift und Papier, sehe ich einfach nur auf und dann wieder aufs Blatt. Als müsste ich zwischendurch einfach mal etwas anderes sehen als den Text, an dem ich arbeite.

  3. Das klingt so wunderbar entspannt, dass ich fast versucht bin, mein Handy für den Rest des Tages wegzulegen. Aber ich habe in den letzten Wochen immerhin schon die Facebook-App und Ähnliches gelöscht, um dem „zwischendrin surfen“ aus Langeweile und ohne richtige Aufmerksamkeit ein Ende zu setzen. Ein Anfang… Und dir herzlichen Glückwunsch zu den Erkenntnissen – und viel Durchhaltevermögen!

    • Ein sehr guter Anfang :) Macht übrigens meistens das Handy schneller und den Akku stabiler – bei mir jedenfalls war nach dem FB-Löschen ALLES auf dem Ding entspannter! Vielen Dank auch für die Wünsche zum Durchhaltevermögen … wenn’s sich interessant anfühlt, schreib ich in drei Monaten mal ein Upate!

  4. Fokus ist das Zauberwort… und derzeit genau mein Thema. Nehmen wir mal an, die Aufmerksamkeit ließe sich so bündeln, als hättest du einen Zauberstab in der Hand – oder von mir aus ein Laserschwert. Und dann gelingt es dir nicht, dich zu fokussieren und stattdessen fuchtelst du mit deinem Zauberstab/Laserschwert wie eine Dreijährige in der Gegend rum. Kommt nix Gutes bei raus. Und genau darum kann ich deinen Post nur unterschreiben. Push-up-Nachrichten gibt’s gar nicht (gab es eigentlich noch nie). Und eine gewisse onlinefreie Zeit am Tag ist Pflicht – meist abends, ab 19-20 Uhr, auch wenn ich mich manchmal wirklich zwingen muss, das Smartphone nicht wieder einzuschalten. Und parallel surfen… *hüstel*… ich arbeite daran, das abzustellen. Und warum dieses Selbstdisziplinierung? Dein letzter Absatz. Ich möchte mich nicht so einem kleinen Ding (Smartphone) ausliefern. Ich möchte mein Smartphone im Griff haben – nicht umgekehrt. Schon klar, dass wir unser Leben weitaus weniger unter Kontrolle haben, als wir glauben, aber dem Internet möchte ich nun wirklich nicht willenlos ausgeliefert sein. ;)

    Dennoch: Sehr schön, wieder von dir zu lesen. Und ich stelle fest, dass weniger mehr ist. Ich muss nicht alle 2 Tage von meinen Lieblingsbloggern lesen, das stresst mich eher. Aber wenn dann ein Post kommt, dann freue ich mich umso mehr. ;)

    Liebe Grüße

    Sabine

    • Liebe Sabine,

      ja, manchmal ist weniger mehr: Bei Blog-Einträgen, beim Smartphone, bei den Web-Tabs… :D Zugegeben war es dann doch nicht so einfach, brav zu warten um die Kommentare hier zu beantworten (ich erinnere mich an eine Zeit, da versuchte ich das immer innerhalb von 5 Minuten zu machen …), aber hey, ich hab es durchgehalten! Und widme mich erst danach meiner Leseliste. Voll brav.

      Ganz liebe Grüße zurück,
      Myriam

  5. Parallel surfen… erwischt! Gerade überlege ich, ob das Internet durch die Möglichkeit des parallel Surfens das menschliche Denken nachahmt, weil man ja auch gedanklich immer abschweift…
    Auf jeden Fall bringt einen der Beitrag wieder auf die richtige Spur!

  6. Wie schön, dass du wieder online bist! Deine Beiträge lesen sich immer wie Butter, vor allem echt und ehrlich. Eigentlich sollte ich jetzt auch schreiben, aber noch mal schnell in den WordPress Reader abdriften … schon ist es geschehen!
    Gruselig finde ich, dass es dafür ein Wort gibt: FOMO (Fear of missing out – die Angst, etwas online zu verpassen). Gelegentlich überkommt mich diese Phase auch, aber zum Glück gibt es auch immer lange Strecken, in denen ich merke, dass meine Gedanken nicht in diesem schnellen Rhythmus funktionieren, sondern mehr Zeit brauchen. Sich diese Zeit zu nehmen ist eine der größten Herausforderungen im Alltag, aber es ist möglich und machbar (sonst hätte ich deinen Beitrag auch schon früher „gefunden“ ;-)).

    • Ach ja, FOMO :D Ich leide auch im echten Leben dran; manchmal habe ich Schwierigkeiten einfach in Ruhe mein Buch zu lesen statt auf irgendeine angesagte Veranstaltung zu gehen – obwohl ich meine Couch so viel lieber habe als Parties :)

  7. Toll geschrieben meine Liebe und es regt auf jeden Fall zum Nachdenken an. Leider verbringen wir echt oft viel zu viel Zeit online, statt im richtigen Leben :) Liebe Grüße aus dem verschneiten Süddeutschland Nele

  8. Ich nehme mir viele deiner Denkanstöße schon so lange vor. Oft denke ich auch, dass dieses Gefühl des gehetzt-seins auch viel daher rührt, dass ich alles gleichzeitig erledigen will, was mich auch schwer an den Punkt des parallel-surfens erinnert. Vielleicht nehme ich mir deine Anregungen eine nach der anderen vor und schaue, was mit meiner inneren Hektik passiert :)
    LG

    • Ja, dieses Gefühl alles gleichzeitig machen zu wollen (oder zu müssen), ist wirklich anstrengend und erschöpfend. Falls was wird aus deinem Experiment, dann wäre ich sehr neugierig zu erfahren, ob die innere Hektik sich denn beruhigt! Liebe Grüße!

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