Die kleinen Erfolge und warum wir sie dringend besser feiern müssen

Vor nicht allzu langer Zeit tauschte ich mich mit einer befreundeten Autorin über Erfolgsgefühle aus. Dabei ging es weniger darum, selbige gemeinsam ganz genüsslich zu zelebrieren, sondern um die Tatsache, dass sie viel zu oft ausbleiben oder, wenn sie sich doch einstellen, ruckzuck überlagert werden von ganz anderen Dingen, zum Beispiel der Hoffnung auf noch mehr Erfolg.

Wenn das Ziel den Weg versperrt

Natürlich ist es nicht verwerflich, wenn man auf den Durchbruch hofft, auf einen echten Bestseller, einen Selbstläufer, auf den ganz großen Wurf. Die wenigsten Autoren würden wohl dankend ablehnen, wenn man ihnen wochenlang eine Bestplatzierung anböte oder sie nacheinander in sämtliche Talkshows und Literatursendungen einlüde. Wie so oft schadet es auch hier nicht, sich hohe Ziele zu setzen, das motiviert, hält beweglich und sorgt dafür, dass man nicht einschläft in seinem eigenen Leben. An sich eine gute Sache.

Schwierig wird es allerdings, wenn das Ziel zum absoluten Maßstab mutiert, zur einzigen Sache, die des Lobes wert und Stolzes würdig ist. Besagtes Ziel muss nicht zwangsläufig der Bestseller sein (wer auch nur ein wenig realistisch denken kann, wird zumindest ahnen, dass selbst ein wirklich genialer Erstlingsroman sehr viel Glück, Werbung und gute Umstände braucht, um bis ganz nach oben auf die Liste zu klettern). Oft sind es ganz andere Meilensteine, auf die man sich versteift, sei es ein Abgabetermin, eine Preisnominierung, eine bestimmte Anzahl von Rezensionen oder der Tag der Veröffentlichung. Gemeinsam ist all diesen Dingen die Gefahr, alle anderen Erfolgsmomente aus den Augen zu verlieren.

Das Besondere wird zu schnell selbstverständlich

Auch mir ist das ein bisschen passiert. Während ich mir vor einem Jahr noch jeden kleinen Schritt in Richtung erstes Buch ganz feierlich bewusst machte, trotte ich diesen Weg mittlerweile so selbstverständlich entlang, als handle es sich um einen x-beliebigen Bahnsteig im Berliner Innenstadtring. Ich gucke nicht nach rechts und links, ich springe nicht freudenstrahlend darauf herum und ich notiere mir auch nicht jedes interessante Straßenschild.

Dabei ist es doch so: Vor drei Jahren hätte ich meinen linken Fuß dafür gegeben, meinen Namen auf einem Buchcover zu sehen. Okay, vielleicht hätte ich meine Gliedmaßen auch lieber behalten (ich habe eine seltsame Amputations-Angst), aber ich hätte Champagner für alle besorgt, eine Hymne auf die Erfüllung von wichtigen Lebensträume gesungen und nacheinander auf allen verfügbaren Tischen getanzt.  Doch als es jetzt endlich soweit war, da machte ich nicht mal ein schnödes Bier auf.

Nun könnte man einwenden, dass es sich bei besagtem Cover nur um einen Entwurf handelt und eine PDF noch nicht das gleiche ist wie ein Buch, aber das fühlt sich nach Ausrede an. Denn tatsächlich ist es schlichtweg so, dass ich mich daran gewöhnt habe, Verlagsautorin zu sein. Was einstmals das größte Ziel von allen schien, ist nun erfüllt und damit nicht länger Grund genug zur Feierei.

Setzt die Partyhüte auf – und zwar so oft es geht

Doch das ist falsch. Es ist falsch, zu vergessen, wie besonders das ist, was man da gerade erleben darf. Wie viele Menschen alles dafür tun würden, mit dir den Platz zu tauschen. Es ist falsch, sich nicht über jeden kleinen Schritt zu freuen, und über die Sprünge, die man schon geschafft hat. Es ist falsch zu glauben, gute Dinge müssten nicht besungen werden, nicht gefeiert, nicht bejubelt. Es ist falsch, nicht wertzuschätzen, was man hat und erreicht.

Das gilt übrigens nicht nur für das Schreiben und Veröffentlichen, sondern auch für alle anderen Dinge, die einem wichtig sind. Aber da es in meinem Leben nichts wichtigeres gibt als die Schriftstellerei, macht es Sinn, dass ich die Sache daran aufhänge. Und ich habe mir denn auch ganz fest vorgenommen, mich ab jetzt wieder über alles zu freuen, was im Laufe der Erfahrung meiner ersten Veröffentlichung passiert. Ich möchte nicht bei jedem Schritt bloß einmal kurz lächeln und dann an die nächste Hürde, den nächsten Erfolg, die nächste Nummer denken. Ich möchte den ganzen Prozess genießen und würdigen – er hat es verdient und ich auch.

Denn warum schreiben und erschaffen wir, wenn wir uns nicht freuen über das, was dabei herauskommt und die einzigartigen Momente feiern, die aus dem folgen, was wir tun? Welchen Sinn hat all die Schufterei, wenn wir nicht innehalten und wahrnehmen, was mit uns passiert? Wofür überhaupt leben, wenn das Leben einfach nur vorbeizieht?

Wie aber belohnt man sich?

Nun entdeckten wir, also meine werte Schriftstellerkollegin und ich, an dieser Stelle gleich das nächste Problem: Wie feiert man eigentlich seine Erfolge? Also so richtig? So, dass es Sinn macht? Womit belohnt man sich selbst, ohne dass es langweilig oder inhaltsleer wird? Sicher, man kann sich was Schönes kaufen oder den angesprochenen Champagner köpfen. Aber irgendwie wäre es doch schön, man käme diesbezüglich auf Ideen, die irgendwie langfristiger sind. Dinge, die sich so einprägen, dass man sie für immer mit dem Anlass verbindet, wegen dem man sie erlebt hat.

Auf einen ultimativen Feier-Plan sind wir noch nicht gekommen, allein schon, weil uns leider die Zeit fehlte, ausschweifend kreativ zu werden. Das ist nicht schlimm, man muss nicht alles immer sofort lösen (obwohl ich die Tendenz habe, es zu versuchen), es kann auch gut sein, Sachen sacken zu lassen und anzusammeln. Und genau das werde ich in den nächsten Tagen und Wochen auch tun, allein schon, damit ich beim nächsten kleinen Schritt dann ganz groß feiern kann.

16 Kommentare

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  1. Ja das ist wahr und ich kenne es zu gut, immer wieder nehme ich mir vor, mir meine Erfolge bewusster zu machen, indem ich sie feiere und immer wieder kommt die Frage auf: „Wie?“
    Was denke ich eine gute Möglichkeit ist, ist diese Erfolge gemeinsam mit denen, die dich dafür unterstützten zu feiern. Vor kurzem hatte ich eine Prüfung, wenn ich die hoffentlich positiven Ergebnisse erfahre, möchte ich das, mit denen, die mich unterstützten feiern, mal sehen in welcher Form, vielleicht bringe ich etwas leckeres mit.

    Danke übrigens für deinen Beitrag, über dieses Thema werde ich auch noch schreiben. 😊

    • Das stimmt, die Menschen mit einzubeziehen, die einem wichtig sind, ist immer schön und befriedigend! Das habe ich im letzten halben Jahr besonders stark gemerkt; da war ich viel in anderen Städten arbeiten und habe gute Neuigkeiten oft mutterseelenallein bekommen. Und da ist ein Telefonat dann eben doch nur halb so schön wie das richtige Zusammensein!

      Ich bin gespannt, was du zum Thema schreibst und freue mich schon drauf, deine Gedanken zu lesen!

  2. Ich plane nun nicht, demnächst einen Roman zu schreiben. Aber ich bin doch platt, dass die Freude darüber, sich diesen Traum erfüllen zu können, so schnell verpufft… oder dass das Besondere eben schnell zur Selbstverständlichkeit wird. Das ist tatsächlich auch gerade eines meiner Themen, das mich immer wieder umtreibt. Und ich glaube, da befinden wir uns in guter Gesellschaft. Irgendwie ist alles so auf Krawumm und Feuerwerk ausgelegt, dass wir immer schneller weiterhetzen.

    Oder um es mal sportlich zu formulieren: Ich finde den Vergleich zwischen Handball- und Fußballspielen faszinierend. Nimm das durchschnittliche Fußballspiel… wie oft werden da während der Übertragung Tore oder selbst „besondere“ Situationnen wiederholt? Ist beim Handball gar nicht drin. Das Spiel ist viel zu schnell und es fallen viel zu viele Tore, als dass du da ständig Wiederholungen zeigen kannst. Und verdammt… ich wollte gerade den Bogen schlagen, dass „mehr Fußball im Leben“ (höhö… mache ich mir bestimmt viele Freunde mit) besser wäre, aber ich mag Handball viel lieber und die Spiele sind so viel intensiver. So kann man sich selbst auch um Kopf und Kragen schreiben. ;))

    • Also bei Sportmetaphern muss ich leider passen (pun totally intended!), worüber Mutter und Vater jetzt wieder nur seufzen können, komme ich doch aus einem sportverrückten Haushalt :D

      Doch davon abgesehen: Ja, ich war auch (und bin immer noch) verblüfft, sogar erschrocken, wie schnell sich so große Freuden abnutzen und gewöhnlich werden – und du hast recht, das hat auch viel damit zu tun, das wir in höher-schneller-weiter-bunter-Zeiten leben. Ein Grund mehr eigentlich, sich hinzustellen und mit trotzig verschränkten Armen zu sagen: Mit mir nicht. Ich halte jetzt verdammt nochmal an und genieße :)

  3. Uff, breites Thema. Letztlich kann jeder diese so seltenen Momente des Glücks nur für sich selbst auffangen, und – einen ganzen Augenblick lang – vom ganzen Herzen genießen. Dann ziehen sie nämlich wieder von dannen – sie lassen sich leider nicht für immer auffangen. Am schönsten ist es, diese Erfolgsmomente mit den allerwichtigsten Menschen zusammen zu erleben und zu feiern – aber die tiefe Freude darüber, der Stolz darauf, das empfundene Glück muss man sich – spätestens dann, wenn man so etwas zu feiern hat – endlich selbst geben. Habe ich mit meinem so reichen Erfahrungsschatz (vor allem in Sachen Scheitern) inzwischen festgestellt. :D

    • Wenn das nur so einfach wäre! Ich stelle in letzter Zeit fest, dass es mir viel schwerer fällt als früher, innezuhalten und zu genießen. Das hat sicher auch sehr viel damit zu tun, dass ich unglaublich viel gearbeitet habe in den letzten anderthalb Jahren und gefühlt nie Zeit zum Durchatmen hatte. Ich hoffe sehr, dass es ein Schritt in die richtige Richtung ist, sich das bewusst zu machen und entsprechend darauf zu achten, in Zukunft (wie du so schön schreibst) das Glück für sich auffzufangen!

  4. Feiern muss jeder die Erfolge auf seine Weise, aber lernen sollte jeder, sie nicht zu vergessen oder im Laufe der Zeit vor sich selbst klein zu reden.

    Bei meinen Büchern geht es mir in erster Linie darum, dass meine Worte wahrgenommen werden und als Erfolg würde ich es werten, wenn möglichst viele Menschen darüber sprechen und nachdenken. Das soll im Vordergrund stehen und nicht meine Person. Ich persönlich stehe – ganz untypisch für einen Löwen – nicht gerne in der Öffentlichkeit. Meine Aussagen werden nicht wahrer oder weniger wahr, nur weil Leser mich im TV sehen. Deswegen möchte ich auch gar nicht zu Talk-Shows eingeladen werden. Auch leserunden würde ich in privatem Rahmen stets bevorzugen. Bei meinem ersten Buch über die Erkrankung unserer Tochter habe ich schon zwei solcher Einladungen abgelehnt. Auch deshalb, weil es nicht hauptsächlich um die Erkrankung, sondern um mich persönlich gehen sollte. Das war aber nicht mein Antrieb, sondern das Bewusstsein für die Erkrankung und die Folgen zu erweitern. Mag sein, dass ein solches Verhalten einer großen Leserschaft entgegen steht, aber dann ist es eben so. Ich werde mich nicht verbiegen. Nur wenn sich meine Überzeugung ändert, werde ich auch mein Verhalten verändern.

    • Nein, da solltest du dich auch nicht verbiegen. Ich finde, jeder sollte und darf seine eigene Motivation zum Schreiben haben und auch eine eigene Vorstellung davon, was es wem wie bringen soll – und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass jemand da von dir verlangen würde, dich zu ändern, oder? Gerade dann nicht, wenn es um ein so sensibles und persönliches Thema geht.

  5. Genau das, nicht zu feiern, was eigentlich ein Erfolg ist, ist mir heute passiert. Gut, dass ich damit nicht alleine bin. Vielleicht sind wir einfach alle Partymuffel und sollten uns zusammenrotten, um gemeinsam unsere Erfolge zu feiern – wenn wir es schon selber nicht sehen können.

  6. Die Party der Partymuffel? Dafür würde ich glatt „mal schnell“ einen Erfolg einfahren wollen, um mitfeiern zu dürfen. Anderenfalls serviere ich halt die Drinks… so ein „Overnight Success“ kann ja doch ein paar Nächte auf sich warten lassen. ^^

  7. Als ich das erste Mal meinen Namen in einer Danksagung laß, habe ich – ungelogen – einen Handstand gemacht und Lieblingslied angeschmissen und dann den Menschen angerufen, der sich am allerbesten mit mir freuen kann. Als mein Name zum ersten Mal im Impressum eines Buches erschien, das oben auf der Bestsellerliste landete und daher in allen Buchhandlungen lag, habe ich jede Begleitung in einen solchen geschleppt und sehr laut damit angegeben. Denn ja: Angeberei ist erlaubt, wenn man Grund dazu hat. Wir haben viel und ausdauernd dafür gearbeitet, dass unser Name an einer Stelle steht, von der wir einst nur träumen können; darauf darf man verdammt noch eins stolz sein, und berechtigte Angeberei verstärkt die Partylaune.
    Da im Laufe der Jahre der Wow!-Effekt selbst bei dem Menschen erlahmt ist, der sich am allerbesten mit mir freut, erweitere ich heute einfach den Kreis. Und dafür eignen sich soziale Medien, Blogs und allerlei andere Halböffentlichkeit hervorragend. Ich empfehle also: Handstand, Lieblingsmusik, Freumensch anrufen und angeben, dann was posten und sich ausgiebig loben lassen. Also nur, falls nicht gerade eh Freunde mit Schampus in der Nähe sind.

    • Also ganz ehrlich: Wenn ich einen Handstand versuchen sollte, dann endet das ganz sicher mit Knochenbrüchen :D Und obwohl sich das wahrscheinlich auch erinnerungswürdig einprägen würde, mache ich vielleicht doch lieber was anders Akrobatisches, wie zum Beispiel…. äh …. okay, keine Sportübungsfreude für mich ;) Aber den Rest, den werde ich ganz sicher machen! Mehrfach! Andauernd! Immerzu! Ich freu mich drauf :)

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