Aufforderung zum Fernsehgucken (nur ausnahmsweise, versprochen!)

Ich schreibe hier selten über meinen Broterwerb, das Fernsehmachen, hauptsächlich, weil Fernsehmachen weit weniger spannend und aufregend ist, als manch einer meint. Heute allerdings möchte – nein, muss ich eine Ausnahme machen und dann auch noch eine riesengroße, denn ich will nicht nur von meiner Arbeit erzählen, ich will euch auch noch dazu animieren, sie anzuschauen. Und ich hoffe so inständig wie selten zuvor, dass es mir gelingt euch zu überzeugen.

Eine Sache die ich eigentlich nicht wollte, ist Karriere machen. Ich war (und bin) ganz zufrieden als simple Redakteurin und habe mich nie um Anderes bemüht – schließlich gilt meine Leidenschaft dem Schreiben und das braucht Zeit, Muße und abgeschaltete Telefone, alles Dinge, die in Führungspositionen ja eher nicht so gut zu haben sind. Doch als man mir vor ein paar Monaten anbot, Head-Autorin eines neues Formats zu werden, da konnte ich nicht anders als Ja sagen. Das lag nun nicht nur daran, dass ich mich so geschmeichelt gefühlt habe (was ich tat), sondern daran, dass das Thema der betreffenden Sendung so fantastisch war: Der Alltag und das Leben von Kindern mit schweren Krankheiten oder Behinderung. Oder, wie es beim Sender heißt:

Die Reportagereihe „Kleine Helden ganz groß! – Wenn Kinder kämpfen müssen“ begleitet sieben Kinder und Jugendliche, die sich aufgrund einer Krankheit in einer schweren Situation befinden. Sie stehen noch ganz am Anfang ihres Lebensweges, und schon wird ihnen alles abverlangt – und wie jedes andere Kind ihres Alters haben sie Bedürfnisse, Wünsche, Träume und sind auf der Suche nach sich selbst.

Warum ich ausgerechnet dieses Thema so fantastisch fand? Weil es in „Kleine Helden ganz groß“ nicht primär um Leiden gehen sollte, um Schwierigkeiten und Tränen, sondern um die Lebensfreude, die Einzigartigkeit und die Gleichberechtigung dieser Kinder. Ein Format das nicht vorführt oder bemitleidet, sondern das verbindet, das Brücken schafft, Ängste abbaut und auf das Gute setzt. Außerdem habe ich mir die Kinder angeschaut, die darin vorkommen sollten – und spätestens da hatte ich mein Herz verloren.

Nun fragt ihr euch (hoffentlich): Wann und wo läuft das denn? Die Antwort: Ab Mittwoch, dem 27.09. um 20:15 Uhr … bei RTL2. Achtung, jetzt bitte durchhalten, oder, wie der Amerikaner gern sagt: Bare with me here. 

Mir ist bewusst, dass der Name RTL2 nicht immer Begeisterungsstürme auslöst und dass man ein Thema wie das beschriebene dort erstmal nicht vermutet oder wenn, dann eher mit Bedenken. In der Wahrnehmung der meisten Menschen steht dieser Sender nicht unbedingt für authentisches Erzählen, wahre Wiedergabe berührender Geschichten oder große Lebensfreude. Aber: Ich tue es sehr wohl. Okay, an der Lebensfreude muss ich noch ein bisschen arbeiten, aber ich denke ich kann zu Recht behaupten, ehrlich und unverfälscht zu sein oder mich zumindest immer darum zu bemühen. Und so wie ich dieser Grundidee von Offenheit hier immer folge, haben mein großartiges Team und ich auch die „Kleinen Helden“ umgesetzt.

Ich glaube ich habe bisher noch nie jemanden aufgefordert, etwas zu gucken, was ich fürs Fernsehen gemacht habe. Damit tue ich mich immer ein wenig schwer, wie mit glasklarer Eigenwerbung überhaupt. Diesmal aber habe ich Angst. Angst, dass die Leute glauben, das Thema sei zu schwer und traurig (ist es nicht!), Angst, dass die Zuschauer gar nicht mitbekommen, dass es unsere Sendung gibt (immerhin läuft gleichzeitig Fußball!), Angst, dass diese mutigen, fantastischen Kinder und Jugendlichen nicht das Forum bekommen, das sie verdienen (ein großes!).

Und darum bitte ich ausnahmsweise: Schaut es euch an. Erzählt anderen davon, wenn es euch gefällt. Nicht wegen meiner Eitelkeit. Sondern wegen dieser einmaligen Menschen und ihren großartigen Geschichten.

Und weil meine 603 Worte wahrscheinlich weniger sagen, als ein paar bewegte Bilder, findet ihr hier noch den Trailer zur Sendung. Sicher ist sicher.

 

19 Kommentare

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  1. Danke für den Tipp! Du kannst gern häufiger auf Sendungen hinweisen. 😊

  2. Witzig, Fernsehen machen ist nicht spannend? Also etwa genauso wie Zeitschriften veröffentlichen. Und ja, Kinder sind Stehaufmännchen, die einfach weiterleben… und die ich dafür bewundere!

    • Nope, gar nicht spannend (obwohl ich’s schon sehr gerne mache) :) und ja, von vielen Kindern kann man sich als Erwachsener eine dicke Scheibe abschneiden! :)

      • Das stimmt, aber nicht alle schaffen es trotz allem Mut und aller Anstrengung. Wird dieser Kinder auch gedacht? Das fände ich wichtig und schön, denn meistens wird das nicht thematisiert. Denn auch sie haben heldenhaft gekämpft.

      • Es gab durchaus auch Momente, wo nicht klar war, wie es unseren Protagonisten ergehen würde und ob sie es wirklich schaffen würden. Die lange Zeit, die wir die Sieben begleitet haben, endete aber für alle (halbwegs) positiv. Wäre es anders gewesen, dann hätten wir auch das offen und ehrlich erzählt – aber ich bin natürlich absolut froh, dass dem nun nicht so ist. Denn auch wenn verstehe, was du meinst, bin ich einfach nur sehr, sehr, sehr glücklich, dass es allen unseren Kindern gut geht.

      • Auch ich bin froh um jedes Kind, das es schafft. Aber aus Gesprächen mit vielen anderen Eltern, deren Kinder den Kampf schließlich auch verloren haben, weiß ich, wie belastend es ist, wenn an diese so gar nicht erinnert, sie nicht mal in einem Satz erwähnt werden. Das ist für sie so ein Gefühl, als wolle man damit ausdrücken, ihre Kinder hätten versagt. Ich selbst bin da viel pragmatischer unterwegs, aber viele andere belastet das durchaus.

      • Ja, das kann ich gut verstehen. In diesem Fall ist es natürlich so, dass man vorher nicht weiß, wie eine Dokumentation verlaufen wird, was passiert, wie es wem ergeht. Das zeichnet ja eine ehrliche Reportage aus, dass man einfach das zeigt, was passiert, auch wenn das dann nicht immer alles abdeckt. Ganz anderes wäre es, wenn eine Sendung sich generell mit dem Nachher beschäftigt, also ganz bewusst mit den unglücklich verlaufenen Fällen – das wäre ohnehin eine wichtige und richtige Sache.

      • Ich will auch nichts infrage stellen, wie käme ich dazu und werde mir die Sendung auf jeden Fall ansehen. Es ging mir nur darum, auch diesen Aspekt sichtbar zu machen.

      • Es ist doch auch total wichtig, dass auch darüber geredet wird! Ich empfinde das nicht als ein Infragstellen, sondern als ein Anregen zum Nachdenken und zur Diskussion. Und das ist immer gut!

  3. Ich finde es wichtig, dass themen wie diversität weit gestreut werden und nicht nur wenige darüber nachdenken oder einen Einblick erhalten. Deswegen finde ich es gut und richtig, dass solche Formate gerade auf RTL2 laufen.
    Wird es das Format auch in der Mediathek geben?

    • Ich muss sich wirklich sagen, dass alle Abteilungen in Sender unglaublich motiviert sind und sich viel Mühe gegeben haben – man hat wirklich gemerkt, dass jeder einzelne Mitwirkende irgendwie stolz auf die Sendung ist! Und ja, wird’s auch in der Mediathek geben :)

  4. Wenn die Sendung so gut wird, wie du hier schreibst, kann selbst das Klischeebild, welches ich von RTL2 habe, dem nichts „antun“. 😅 Ich bin wirklich sehr gespannt, wie und ob ihr solch ein ernstes Thema mit dem richtigen Fingerspitzengefühl im Schnitt, Ton und Bild eingefangen habt. Wenn ich darf, kommentiere ich das dann nochmal … ☺️

    • Natürlich darfst du! :D Ich freue mich schließlich immer über Feedback – übrigens absolut auch über kritisches, jedenfalls was Schnitt, Ton und Bild angeht. Nur auf meine kleinen Protagonisten lass ich nix kommen, aber darum geht’s dir ja auch nicht ;)

  5. Oh weia, ich werde nie wieder über RTLII lästern. Hoffe ich. Wobei es nicht leicht wird, zu sehr hat sich das Klischee vom Thrash-TV in mein Hirn gebrannt… womit wir wieder bei der Schubladisierung wären. Und ich bin ganz baff, dass du deinen Job nicht für spannend hältst. Das sehe ich aber anders… ;)

  6. Hat dies auf Schreibschaukel rebloggt und kommentierte:
    Genau der richtige Moment, um mir das anzuschauen. Damit ich wieder alles in den richtigen Relationen seh! Danke, Myriam.

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