Braucht der Frauenroman einen Image-Wechsel?

Mein erstes Buch ist ein humoristischer Frauenroman. Nicht ohne Grund steht dieser Satz hier ganz vorne und mutet mit der richtigen Betonung wie ein Geständnis an. Denn tatsächlich reagieren viele Menschen auf diese Aussage so, als hätte ich etwas Peinliches zugegeben. Etwas Peinliches, das in den Details allerdings ziemlich langweilig ist, in etwa in einer Liga mit mittellautem Pupsen oder vergessenem Deo. Die Dialoge auf denen ich diese Beobachtung gründe (und von denen ich mittlerweile einige geführt habe), laufen in etwa wie folgt ab:

Person X: Ach, du hast ein Buch geschrieben?
Myriam: Ja!
X: Das ist ja toll! Wann erscheint es denn?
M: Nächstes Jahr im Frühjahr.
(Optional:
X: Beim welchem Verlag denn?
M: Aufbau.
X: Oh, das ist aber ein guter Verlag.
M: Ja, ich bin auch wirklich sehr happy darüber.)
X: Und worum geht es?
M: Also im Prinzip geht es darum, dass man lernen muss, sich selbst zu akzeptieren, weil man sonst selten glücklich wird.
X: Klingt ja interessant! Das heißt also, das ist das ein …. / Und welches Genre ist das?
M: Humoristischer Frauenroman.
X. Ach so. Ja dann…………

Da schwingt oft eine Enttäuschung mit, die mich anfangs verunsichert hat, dann eine Weile Wut auslöste und die mich mittlerweile vor allem fasziniert und amüsiert. Es scheint, als wäre es in den Augen vieler Menschen theoretisch eine große Leistung, ein Buch zu schreiben, praktisch aber Pillepalle wenn dieses Buch ein Frauenroman ist.

Die Scham der leichten Lektüre

Das merke ich auch ein wenig in meiner Blogwelt-Blase, wo Rezensionen zu Frauenromanen häufig mit den Worten „Eigentlich lese ich dieses Genre ja nicht“ beginnen. Ich unterstelle niemandem, dass diese Aussage gelogen ist, um Gottes Willen, aber man fragt sich dann doch (ähnlich wie bei Mario Barth, den zu Recht ja auch nie einer mögen mag), wieso die Dinger ständig ganz oben auf der Bestseller-Liste stehen, wenn eigentlich keiner sie liest. Vielleicht ist die Schnittmenge von Buchbloggern, denen ich folge und Lesern, die Frauenromane mögen, eben einfach winzig (und die der Leute denen ich von meinem Buch erzähle und Frauenroman-Fans ebenfalls) und das ist dann schon des Rätsels Lösung. Ich bin mir sogar recht sicher, dass das der Fall ist.

Aber vielleicht ist es auch ein ganz klein wenig so, dass man nicht allzu sehr mit dem Frauenroman in Verbindung gebracht werden will, weil er schlichtweg nicht besonders cool ist. Oder besonders innovativ oder besonderes intellektuell oder besonders spannend. Kurzum: Nichts Besonderes. Ich würde sogar noch weitergehen und behaupten: In den Köpfen vieler Menschen ist dieses Genre nicht ganz ernst zu nehmen, es ist irgendwie ein bisschen altbacken und voller Klischees, man liest es höchstens mal im Sommerurlaub und redet dann auch nicht groß darüber, es ist nicht wertvoll, nicht hip und nicht bewundernswert. Es ist, verknappt gesagt, ein Genre ohne Anspruch an sich selbst.

Es gibt auch durchaus Fälle da würde ich sagen: Ja, stimmt. Da ist nichts Originelles dran und nichts, was zum Fühlen oder Denken anregt, da geht es um Werte und Ideen, die irgendwie überholt und angestaubt sind, da fehlt es an Sprache, an Plot, an Figuren, da überrascht nichts, fordert nichts, interessiert nichts. Aber: Das gilt auch für so ziemlich jedes andere Genre. Es gibt überall gute Beispiele und schlechte. Und trotzdem argwöhne ich, dass die Skepsis meiner Mitmenschen geringer wäre, hätte ich einen Thriller geschrieben.

Es kann natürlich sein, dass ich total spinne. Denn da ich nicht über die Ressourcen von Infratest Dimap verfüge, kann ich leider keine erhellende Telefonumfrage zum Thema Frauenroman durchführen. Schade, denn es würde mich durchaus interessieren, was andere Menschen damit verbinden und ob ich überhaupt richtig liege mit meiner vagen Ahnung, dass da ein gewisses Schamgefühl herrscht, wenn es um dieses Genre geht. Ein Schamgefühl übrigens, das mir ja auch selbst vertraut ist; manchmal denke ich, es wäre irgendwie geiler sagen zu können: Ich bin die weibliche Version von Kehlmann. Warum? Keine Ahnung. Wahrscheinlich weil ein kleiner Teil von mir eben doch immer irgendwie der große Künstler sein will.

Das Humorproblem der Kreativwelt

Doch große Kunst, das scheint gesetzt, ist ernsthaft und anspruchsvoll, keinesfalls aber ist sie leichtherzig oder gar unterhaltsam. Große Kunst heißt oft auch: Großes Leid und das nicht bloß für die Schreiber und Geschriebenen, sondern auch für die Leser. Die Verkostung großer Kunst darf nicht leicht sein, sie muss weh tun. Man verstehe mich auch hier wieder nicht falsch: Es MUSS Bücher geben, die hart sind, die Schmerzen verursachen, die über ungeliebte Themen sprechen oder der Sprache alles abverlangen. Aber müssen wir deshalb das Leichte gleich mit einem müden Lächeln strafen?

Schaut man sich in Kritiken und Unterhaltungen um, dann scheint Lachen manchmal weniger wertvoll zu sein als Weinen, das ist nicht nur bei Büchern so, sondern auch bei Filmen; da haben die Dramen immer die besseren Chancen auf Preise als die Komödien. Dabei ist es verdammt schwierig, witzig zu sein. Außerdem können sich auch im Humor weise Worte und wichtige Botschaften verstecken. Warum Komödie oft als Haltung zweiter Klasse dargestellt wird, keine Ahnung, ich werde versuchen, dieser Sache demnächst mal tiefer auf den Grund zu gehen.

Jetzt und hier würde das zu weit führen, denn dass viele Menschen mit Schulterzucken und leicht überlegenem Lächeln auf den Frauenroman reagieren, liegt sicher nicht allein daran, dass dieser oft im locker-flockigen Sprachgewand daher kommt und auf humoristische Eskapaden setzt. Es ist wohl eher die Schuld einer Art allumfassende Bravheit, die ihm unterstellt wird. Als wäre es vollkommen unmöglich, innerhalb dieses Genres etwas zu erzählen, dass über klischeegetränkte Küsse, alberne Situationskomik und veraltete Vorstellungen von Mann und Frau hinaus geht.

An dieser Stelle muss ich zugeben: Auch ich habe keinen gesellschaftlichen Revolutionsroman geschrieben, getarnt als leichte Sommerlektüre. Aber, darauf bestehe ich, ich habe zumindest versucht, in meinem Roman einige Dinge zu vermitteln, die auf individueller Ebene durchaus wichtig sind: Dass du sein darfst, wie du willst. Dass du dich dem Diktat der Perfektion nicht beugen musst. Dass du andere Ziele haben darfst als Haus und Ehe. Dass jeder eine Geschichte hat. Dass Menschen nicht in Schubladen gehören. Ob mir das gelungen ist, ist wieder eine andere Frage, aber ich denke mir immer, dass all die begütigenden Blicke und kritischen Anmerkungen egal sind, wenn nur ein einziger Leser nach der Lektüre etwas mehr Lebensmut und Leichtigkeit fühlt.

 

34 Kommentare

Gib deinen ab →

  1. Grundsätzlich finde ich schon das Wort „Frauenroman“ grenzwertig. Sobald ein Mann der Hauptcharakter ist und aus seinem Alltag berichtet, sagt ja auch keiner „Ach, sieh an! Ein Männerroman! Alltagskomik meets Bromance!“
    Warum also nicht schlicht Liebesroman oder Charakterstudie oder dergleichen als Genrebezeichnung nutzen?
    Aber hier hast du natürlich einen Nerv getroffen: Auch ein Liebesroman ist „leichter“ als ein Sozialdrama.
    Vielleicht ist es auch etwas ur-deutsches (danke Goethe!), Kultur in „hoch“ und „niedrig“ zu unterteilen. Dabei sehe ich es wie du: Es ist viel schwerer jemanden zum Lachen zu bringen und mit einem Lächeln aus der Lektüre oder dem Kino zu entlassen.
    Durch deinen Beitrag habe ich noch über zwei Dinge nachgedacht:
    1) Warum werden Bücher wie „Stolz und Vorurteil“ nicht als Frauenroman abgetan? Ist es also eine Epochen-Frage, wann über Liebe und Beziehungen geschrieben wird?
    2) Vielleicht hat es auch etwas mit Konsum zu tun: „Frauenromane“ sind so schrecklich gleich gelayoutet, dass sie wie Einheitsbrei wirken (Scherenschnitt mit Pastelhintergrund und Ornamenten und Schrift, wie von einer Motivationskarte „Sei du selbst, sonst ist es keiner bla bla“)
    Ich bin also gespannt auf deinen Roman!

    • Ja, das finde ich auch bescheuert, zumal ich ohnehin sehr gegen die dauernde Trennung nach Geschlechtern bin – in allen Dingen. „Frauen sind immer so und Männer sind immer so…“ bei solchen Aussagen schüttelt es mich.

      Zu 1: Es wäre interessant, mal herauszufinden wann und wie das Genre als solches eigentlich entstanden ist… sollte ich heute jemals mit meiner Steuererklärung fertig werden, wäre es spannend, da mal tiefer einzutauchen.

      Und zu Punkt 2: da gebe ich dir absolut Recht! Wobei man als Autor da ja auch nur ganz bedingt Einfluss drauf hat… insofern erwarte besser keine Layout-Revolutionen ;) UND: Ist das nicht bei allen Genres irgendwie so, dass alles gleich aussieht? Ich habe das Gefühl, auch jeder Psychothriller und jeder Lokalkrimi kommt im gleichen Gewand daher. Ich finde das extrem schade – leider scheint es so, dass niemand mal ein optisches Risiko eingehen will und dadurch gleicht sich alles immer mehr an. Jedenfalls im Unterhaltungsbereich.

  2. Muss man den immer „große Kunst“ oder etwas revolutionäres Lesen? Ich will beim Lesen in erster Linie unterhalten werden! Ich lese solche lustigen „Frauenromane“ eigentlich sehr gerne. Aber auch nicht von jedem. Die „Stephanie Plum“-Reihe Von Janet Evanovich gehört zum Beispiel zu meinen absoluten Lieblingen! Wenn die Liebe im absoluten Mittelpunkt steht, greife ich meistens nicht zu. Aber dass liegt einfach daran, dass ich kein Fan von Liebesromane bin. Nicht wegen den Klischees oder so…ich mag es einfach nicht sonderlich. Aber wenn ich so eines empfohlen bekomme und es auch wirklich witzig ist, dann sag ich auch nicht nein.

    Grüße!

    • Da geht es mir ähnlich; ich bin auch nicht sooo der Fan von reinen Liebesgeschichten, wobei ich da auch feststellen musste, dass einen der Titel da manchmal fehlleitet (*hust*), weil Liebe offensichtlich DAS Verkaufsargument ist ;) Und dass man nicht grundsätzlich alles aus einem Genre liest ist ja auch völlig normal; schließlich gibt es in jeder Kategorie Bücher, die einem zusagen und Bücher, die einem weniger gefallen! Ich tue mich zum Beispiel relativ schwer mit Krimis an sich, lese aber leidenschaftlich gern Martha Grimes und Fred Vargas :)

  3. Wie cool ist das denn? Ich werde Dein Buch auf alle Fälle lesen, bitte hier unbedingt Bescheid geben, wenn es soweit ist. Mario Barth kann ich nicht leiden, aber lustige Romane liebe ich. Viel Glück und Erfolg Dir dabei!

    • Ein wenig Werbung hier werde ich mir sicher nicht nehmen lassen; auch wenn ich mich in Sachen Eigenvermarktung nicht besonders hervortue: Ich werde so sehr vor Stolz und Freude platzen, dass ich gar nichts anderes werde tun können als hier Bericht zu erstatten! :D

  4. In der Buchhandlung sehe ich genug Leute, die die Nase über „Frauenromane“ rümpfen und genauso viele Leute, die herein stürzen und brüllen: „Chick Lit!!! Ich brauche sofort die Ecke mit Chick Lit!!! Ich hatte so eine miese Zeit, ich brauche jetzt sofort was lustiges/kitschiges, sonst kann ich den ganzen Tag in die Tonne treten.“
    Ein Glück, daß ich ihnen dann eben keinen Kehlmann geben muss.
    Du kannst stolz auf dich sein, daß du so einen guten Verlag gefunden hast und vor allem, daß du ein ganzes Buch geschrieben hast und nicht nur davon geträumt hast es mal zu tun.

  5. Gekauft. Ernsthaft. Ich muss überhaupt nicht wissen, worum es geht – alleine die Bezeichnung „humorvoller Frauenroman“ genügt mir. Allerdings lese ich hier auch sehr, sehr gerne mit und mag deine Schreibe. ;)

    Was soll denn so falsch daran sein, sich einfach nur mal unterhalten zu lassen? In Zeiten von Thrash-TV-Formaten (die ich hier bewusst nicht aufführe, damit man sich deswegen nicht hierher googelt), die dann noch rätselhafterweise auf allen (Social Media)Kanälen durchgenudelt werden, ist es doch schon toll, wenn überhaupt noch jemand zum Buch greift (Okay, das war böse.) Einer meiner liebsten Frauenromane ist „Society Girls“ von Plum Sykes (aber auch nur der). Völlig abgedreht und oberflächlich und so gar nicht meine Welt, aber irgendwie funktioniert er für mich. Auch die Shopaholic-Reihe, allerdings nur bis max. Band 5 und auch nur, wenn ich wirklich, wirklich in der richtigen Stimmung bin, hat mich gut unterhalten. Und wenn ich wirklich Instant-Aufmunterung brauche, dann muss Conni Lubek mit ihrer „Anleitung zum Entlieben“ ran- großartiger Humor und so selbstironisch geschrieben, dass es in meiner „Bücherapotheke“ weit vorne rangiert.

    Doch, ich denke sehr wohl, dass wir humorvolle Frauenromane brauchen und die, die darüber die Nase rümpfen, müssen sie ja nicht kaufen. ;)

    Liebe Grüße
    Anna

    • Liebe Anna,

      gut gesagt, wie immer ;)

      Wenn es nach mir ginge, dann würde man all diese blöden Denk- und Sortierkategorien einfach konsequent abschaffen und dann ginge vielleicht alles etwas weniger verbissen – wobei, ja, ja, ich weiß, dass all diese Labels für die Buchhandlungen nicht unerheblich sind und für die Werbung auch nicht und … ABER ich kenne das ja von mir selbst, dass ich gewisse Schubladen schon aus Prinzip geschlossen halte – und dann ganz überrascht bin, wenn mich jemand reinwirft und ich feststelle: Hier ist es ja doch ganz gemütlich drin!

      Übrigens: So böse finde ich deine Aussage gar nicht, denn es stimmt ja irgendwo: Lesen sollte immer gelobt werden, egal wie leicht die gewählte Lektüre daherkommt. Bringt sicher immer noch mehr als all diese Sendungen, deren Titel wir hier lieber verschweigen wollen ;)

      Liebe Grüße zurück,
      Myriam

      • Dieses „Schubladendenken“ meinerseits hat dazu geführt, dass ich mein wirklich allerliebstes Buch („Die Wolfsfrau“) beinahe nie gelesen hätte. Weil es in der – für mich! – falschen Schublade steckte. Ich weiß gar nicht, wie viele Aha-Momente ich diesem Buch verdanke, aber seither bin ich sehr, sehr vorsichtig, was die Schubladisierung (generell) angeht. ;))

      • Oh, das Buch kenne ich gar nicht – aber ich habe es natürlich sofort gegoogelt :D Auf den ersten Blick hätte ich es jetzt auch nicht unbedingt in die Hand genommen, aber wenn es die Ehre hat, dein Lieblingsbuch zu sein, bleibt mir ja fast nichts anderes übrig, als es auch mal zu lesen! :)

      • Lies ruhig mal rein, es lohnt sich. Tu mir nur einen Gefallen: Überspring die Einleitung und geh gleich zum ersten Kapitel über. Die Einleitung hätte mich ja auch glatt wieder verschreckt. *g* Rückblickend betrachtet echt eine Liebe mit Hindernissen. ;D

      • Ein gleich doppelt guter Tipp, weil ich nämlich Einleitungen ganz furchtbar hasse. :D Ich lese sie trotzdem immer (mein Pflichtgefühl zeigt sich an den bescheuertsten Stellen), aber wenn du mich hiermit davon befreist, dann denke ich, es ist nur rechtens mich an deinen Hinweis zu halten ;)

      • Die Wolfsfrau kann ich auch nur empfehlen. Du wirst es nicht bereuen.

      • Schon ganz oben auf die Liste gesetzt ;)

  6. Humor ist eine sehr schwierige Sache, gerade weil es so leicht wirken muss. Nicht umsonst stirbt das gute Boulevard Theater aus, glaube ich. Denn einfach nur Slapstick und Türenknallen rechts und gleich darauf links bringt es nicht. Eins der besten Boulevard Stücke, das ich kenne, war „Durchreise“ von Curth Flatow, das spielte zur Nazi-Zeit und kurz danach. Urkomisch und ernst zugleich.

    Ich wäre die letzte, die einen leichten Roman verteufeln würde, der kann ebenso hohe Schreibkunst sein, wie die E-Musik hohe Kunst sein kann. Die Beatles konnten nicht mal Noten lesen, und wenn man sich die Mühe macht, deren Songs musiktheoretisch auseinander zu nehmen, staunt man, was die da teilweise für Kunstwerke geschaffen haben. Und man hört es nicht, es klingt ganz leicht.

    Nicht dass ein humoristischer Roman unbedingt soviel Tiefgang haben muss. Aber die sogenannten leichten Frauenbücher haben halt oft diese Protagonistinnen, die liebenswert wirken sollen in ihrem Chaos, oder sie haben tausend Probleme, mit denen sie dann auf witzige Weise umgehen. Oft ist es auch witzig, aber oft eher langweilig, weil man der Handlung anmerkt, dass sie jetzt, bitteschön, witzig zu sein hat.

    Erschwerend hinzu kommt, dass jeder etwas anderes witzig findet. Ich erlebe es ja schon in meinem kleinen Blog. Wenn ich denke, da hast du jetzt aber mal was richtig Komisches geschrieben, und ganz stolz auf mich bin, dann sind das oft die Texte, die gar nicht so gut ankommen. Und manchmal quäle ich mir was raus, finde es selbst eigentlich eher fad, und dann kriege ich dafür ein Lob nach dem anderen.

    Lange Rede kurzer Sinn, schreibe, worüber auch immer du gern schreiben möchtest, und wenn das jeweilige Genre noch so abgedroschen daher kommt. Und wenn du keine neue Hera Lind wirst, dann bleibst du eben Myriam Klatt. Ende der Geschichte :-)

    • Ich glaube, ich bleibe auch lieber ich – die gibt es (meines Wissens nach!) wenigstens nur einmal so wie sie ist ;)

      Aber ja, ich kann gut nachvollziehen, was du schreibst, vor allem in Bezug auf die fast schon erzwungene Witzigkeit. Ich persönlich finde, dass es auch im noch so humorvollsten Stück durchaus Platz für Traurigkeit oder Verzweiflung geben darf (und zwar ohne dass diese gleich wieder komisch sein muss). Das ist natürlich nicht leicht zusammenzubringen, ich glaube aber schon, dass das grundsätzlich möglich ist.

      Und letzten Endes, das sagst du ja schon selbst sehr schön, muss man wohl einfach auf die Art und Weise witzig sein, die einem selbst gefällt, unabhängig davon, ob das bei jedem gut ankommt (was ja ohnehin nicht möglich ist).

  7. Vielleicht ist der Begriff Frauenroman, den du selbst für dein Werk wählst oder der Buchladen, ein umstrittener Begriff. Vielleicht wäre „Unterhaltungsroman“ einfach die besser Variante, ist ja neutral. Gerade wenn du, wie du schreibst, nicht so auf der Klischeeschiene bist. Wegen Tragödie/Komödie und deren Stand kannst du mal bei Interesse Ars Poetica von Artostoteles lesen, beide haben ihre Daseinsberechtigung :)! Ich persönlich lasse mich sehr gerne von Humor in Büchern unterhalten, allerdings langweilen mich Protagonistinnen und Storys, die eben zu 99% das sind, was heutzutage in den Regalen der „Frauenromane“ steht. Mehr noch, es macht mich stutzig, dass man als Autor/Autorin so ein Potential an Schreibkunst verschwendet, um einen weiteren, belanglosen Roman auf den Markt zu bringen ala „Aber bei mir wählt die Frau am Ende GAR KEINEN Mann, wie innovativ!“ Dabei vergessen sie, dass es (nicht nur) ums Ende einer Story geht, sondern um die ganzen Klischees während der Geschichte. Das fängt schon beim Charakter der Frau an, die meist nicht über die eigenen, realen Klischeevorstellungen der Autorin hinausgehen. Und nur weil eine Frau in einem Roman nicht mehr Hausfrau ist, sondern erfolgreich im Job, kann das Werk noch genauso klischeehaft sein. Stichwort: Dialoge. Gedanken. Handlungen. Deswegen greife ich in der Buchhandlung nicht (mehr) zu solch einem Roman, nicht weil ich nicht gern lachen will, sondern weil ich es eher traurig finde, was man da so liest. Sicher, Menschen lachen auch bei belanglosen Dingen, aber eine Lektüre sollte über diesen „Bananen-Ausrutsch-Moment“ hinausgehen :D. Und zu guter letzt zu Austen: Es gibt einen Grund, warum das Werk noch heute ganze Seminare in den Unis einnimmt. Die Bücher, die ich kenne die sich „Frauenroman“ nennen, würden gegen die Sachen, die Austen dem Leser bietet, nicht mal ansatzweise stand halten. Es geht dabei nicht um Konkurrenz, sondern dass ein Buch von 1800 emanzipierter, vielschichtiger, unterhaltsamer ist als Bücher, die sich gerne in der selben Kategorie 2017 sehen würden. Man kann Jane Austen auch todlangweilig finden, trotzdem leistet sie handwerklich so viel mehr. Ich schreibe das nur, weil du gefragt hast, warum da wohl niemand die Nase rümpft ;) Wobei ich das ehrlich gesagt auch nicht machen würde, wenn mir jemand erzählt, er/sie hat ein Buch geschrieben. Ich würde erstmal nachhaken, um was es genau geht und wenn ich dich kenne, das Buch lesen. Aber eben an deiner Stelle gar nicht groß kategorisieren, dann ist der Leser auch nicht voreingenommen. Kritisieren kann man ja hinterher immer noch ;)

    • Hallo Anna,

      ich wäre persönlich absolut für eine Umbenennung in Unterhaltungsroman, fürchte aber, da macht der Buchhandel nicht mit… leider!

      Was nun deine Beschreibung des Genres angeht, da muss ich dir in vielen Fällen zustimmen. Wobei es natürlich auch schwierig (nahezu eine Kunst) ist, in den Genregrenzen zu bleiben und dennoch originell zu sein; da ist man dann schnell Pop-Literatur, was ein tolles Segment ist, aber eben doch ein anderes. Und darüber komme ich dann auch auf eine mögliche Begründung, warum so viele Autoren und Autorinnen den nächsten „belanglosen“ Roman schreiben: Weil es damit (in der Regel) viel leichter ist, überhaupt veröffentlicht zu werden. Leider ist es ja eben nicht so, dass überall nach dem ultimativ Kreativen gesucht wird und alles, was Genre-Grenzen radikal umrundet, hat es meist schwerer, einen Verlag zu finden. Zumindest, und das ist ein wichtiger Punkt, wenn es bei dem Werk sich um einen Erstling handelt. Hat man erstmal halbwegs erfolgreich veröffentlicht, ist es glaube ich einfacher, auch mal auszubrechen – das hoffe ich zumindest ;)

      Nun kann man natürlich sagen: „Ich möchte aber nur das schreiben, was ich unbedingt schreiben möchte und es ist mir egal, wie lange es dauert, bis ich jemanden finde, der es verlegt.“ Das ist legitim, manchmal sogar wirklich bewundernswert. Aber – da will ich ehrlich sein – meins ist es nicht. Was sicher auch daran liegt, dass ich nicht DIE EINE Geschichte habe, die ich unbedingt erzählen will. Ich mag das Erzählen (und das Schreiben) an sich, erstmal (fast) unabhängig von Genre und Thema. Im Gegenteil; es macht mir sogar extrem viel Spaß, mich auf neue Geschichten und Genres einzulassen – beim Lesen genauso wie beim Schreiben.

      Da passt dann auch das Handwerkliche gut rein: Ich persönlich zucke gar nicht mal so sehr, wenn Romane nicht besonders kreativ sind, solange sie gut erzählt sind. Mich stören Plotlöcher, wenig nachvollziehbare Motivationen, widersprüchliche Charakterbeschreibungen und flache Nebenfiguren viel mehr, als ein Inhalt, der nur mässig originell ist.

      Zu Austen kann ich mich (noch) nicht äußern, da habe ich nämlich eine schlimme Bildungslücke, die ich allerdings in den nächsten Wochen zu schließen gedenke!

      Liebe Grüße,
      Myriam

      P.S.: Aristoteles dagegen habe ich schon im Literaturwissenschaftsstudium gelesen. UND in der Politikwissenschaft :D Nur ist da offenbar nicht allzu viel hängen geblieben…

      • Sehr interessante Gedanken. Wieso macht der Buchhandel das nicht? Wer ist „der Buchhandel“? Ist es nicht so, dass eher der Verlag kategorisiert und Autoren einen Stempel gibt? Oder geben die Autoren sich selbst einen? Oder spricht das Werk für sich, indem eben z.B. nicht „genug“ Kriterien erfüllt, um es von dem „Frauenroman“ Regal ins „Roman-Regal“ zu schaffen? Wer verteilt diese Kriterien?…..

        Werden die Bücher ganz gelesen von unterschiedlichen Kritikern bevor es z.B. zur Covergestaltung geht (was ja auch viel ausmacht)? Falls du deinen Freunden eine Leseprobe gegeben hast, wie würden sie, unvoreingenommen, dein Buch kategorisieren? Vielleicht würde da gar niemand von sich aus auf diesen Begriff kommen und dein Werk ist revolutionärer als du denkst.

        Ich selbst würde, wenn ich genau wüsste, dass in meinem Roman weder Klischees noch Rassismus, Sexismus und Co vorkommt, zumindest in Gesprächen (denn das habe ich in der Hand) das alles nicht auf das Genre „Frauenroman“ eingrenzen. Alleine schon, weil ein Mann sonst fragen/denken könnte“ Achso, also nicht für mich?“ :D

        Bis jetzt hat das Wort noch eine negative Konnotation. Es müsste eine Definitionänderung geben, dass „Frauenroman“ nur noch heißt: von einer Frau geschrieben. Sozusagen das ganze Neutralisieren ohne abwertenden Ton. Aber da es das auch nicht im männlichen Fall gibt – wieso dann überhaupt an diesem Begriff festhalten? Es macht für mich gar keinen Sinn, denn was machen dann z.B. Transgender Autoren – müssen sie sich dann entscheiden zwischen „Frauenroman“ und „Roman“?

        Sehr spannendes Thema, da könnte man alleine wohl davon eine Seminar füllen :D Ich mag solche Berichte wie von dir und Gedankengänge, das regt zur Diskussion an und es ist gut, sich darüber auszutauschen :)

        Austen nur ein Beispiel von vielen, gerade weil du gefragt hast, warum da niemand auf die Idee kommt, es „Frauenroman“ zu nennen. Genaueres sprengt hier den Rahmen, aber hier z.B. http://www.walesonline.co.uk/lifestyle/showbiz/pride-prejudice-relevant-today-ever-2498188 ganz schön zu sehen :)

      • Liebe Anna,

        ich verfüge diesbezüglich auch nur über (gefährliches?!) Halbwissen, aber soweit ich weiß, ist das eher eine kombinierte Folge von Verlags- und Buchhandelsystem; erster bietet die klaren Kategorien, die letzterer braucht, um einzuordnen (ich hab auch mal gehört, das laufe über Genre-Nummern, aber das ist jetzt wirklich kein Wissen, sondern ein „Hat-mal-irgendein-Verleger-zu-mir-gesagt“).

        Natürlich spielt da auch Werbung und letzten Endes Geld eine große Rolle: Die Genres sind in gewisser Weise ja auch ein Hilfskonstrukt, um sich vorher zu überlegen, welche Menschen (und wie viele), das Werk denn am Ende kaufen könnten. Verlage und Händler entscheiden sich ja nicht aus reinem Gutmenschentum für Romane, sondern weil sie glauben, dass diese einen gewissen Erfolg haben könnten, zumindest so viel, dass es sich lohnt, Arbeit und Geld zu investieren.

        Als Autor hat man dann nur bedingt Einfluss drauf; das fängt ja schon beim Exposé an, wo nicht nur klar das Genre benannt werden muss, sondern eben auch die Zielgruppe. Und „Alle“ ist leider keine Zielgruppe, mit der man beim Abnehmer was reißen kann :D

        Ich kenne jetzt nicht den gesamten Prozess der Covergestaltung, aber ich denke, realistischerweise liest die entsprechende Abteilung jetzt nicht das ganze Buch gelesen – wenn du überlegst, wie viele Bücher pro Jahr in einem Verlag erscheinen, wäre das ja eine irrsinnige (und teure) Arbeitsleistung. Und Kritiker im Sinne von, na ja, eben Kritikern, lesen ja nicht vor dem Cover.

        Es ist übrigens gar nicht so leicht, sich der Bezeichnung „Frauenroman“ im Gespräch zu entziehen; ich bin selbst erstaunt, wie viele Menschen bei der Antwort „Unterhaltungsroman“ hartnäckig nachfragen: „Aber was denn für einer?“. Und ich bin da zugegeben auch immer etwas hin und her: Wäre es nicht vielleicht besser, dazu beizutragen, den Begriff besser zu besetzen, anstatt ihm auszuweichen?

        Danke für den Link! :)

      • Vielen lieben Dank für diesen Einblick! :)

        Wenn man als Autor Genre angeben und im Expose dann nochmals darauf eingehen muss (darf), ist es dann nicht genau dieser Punkt, in dem man Macht hat? Wenn jetzt jede Autorin theoretisch „Unterhaltungsroman“ oder so etwas hinschreiben und darauf beharren würde, würden die Verlage vielleicht irgendwann eine neue Nr. vergeben intern oder nachgeben. Was aber nur eine Überlegung ist, also ich denke dass im Endeffekt man wahrscheinlich das nimmt, was der Verlag vorschlägt, gerade wegen dem Verkauf dann und weil man bestimmt auch überhaupt froh ist, mal in den Pool der Veröffentlichung reinzukommen, wie du ja auch schon erwähnt hast.

        Normalerweise wäre ich voll und ganz deiner Meinung, wir müssen sowieso anfangen, alles was mit „Frau“ zu tun hat positiver zu besetzen oder es mal in die Neutralität schaffen. Aber wie schon gesagt liegt in dieser Unterkategorisierung eine Abspaltung in sich, die gar nicht sein muss. Es gibt ja als Alternative immer noch z.B. „feministische Bücher“. Wenn dein Buch da aber nicht reinpasst, wie auch viele andere Bücher nicht, dann ist es schlichtweg ein Roman/eine Satire oder wie auch immer.

        Positiv umbesetzen ja, aber nicht wenn von vornerein schon die Genrebezeichnung an sich dafür gemacht ist, sich einzugrenzen. Vielleicht „Roman mit weiblicher Protagonistin“ Da horche ich als Leser auf, weil es sich eher auf die Story bezieht.

        Im Alltagsjargon gibt es zwar auch „Frauenfilme“ aber das Kino macht diese Einteilung nicht. Es gibt Dramen, Romanzen, Komödien etc. Auch wenn ich z.B. auf Netflix gehe, gibt es da keine „Männer-“ und „Frauenfilme“ in den Kategorien. Amazon dasselbe. Und das ist ja auch ein Absatzmarkt.

        Auch in der Musik würde niemand darauf kommen, in seiner Beschreibung „Männermusik“ zu schreiben. Solche Kategorien kommen wenn dann von außen.

        Im Theater erst recht nicht. Auch dort gibt es ja Stücke, die vielleicht vom Inhalt her genau diesen Romanen ähneln. Trotzdem macht das niemand. Warum?

        Ich mag es eigentlich auch nicht Wiki zu zitieren, aber ich habe gerade gesehen, dass die das wirklich sehr gut zusammenfassen, was ich mit meinen eigenen Worten nicht so schaffe hier :

        „Die Debatten haben auch zu einer kritischen Reflexion über den Begriff „Frauenliteratur“ selbst geführt, und man stellte fest, dass schon die Notwendigkeit eines solchen Begriffs symptomatisch sei dafür, dass der Begriff „Literatur“ (ohne den Zusatz „Frauen-“) offenbar kein neutraler Begriff ist, sondern von einer Wirklichkeitsauffassung ausgeht, in der der Mann und das Männliche die Norm darstellen, während die Frau und das Weibliche als ‚das Andere‘ – das ‚Abnorme‘ – defizitär erscheinen.“

        Genau das meine ich. Das ganze Thema ist aber sehr groß und immer eine Diskussion wert.

        Es ist doch eigentlich eine gute Entwicklung, wenn das Gegenüber fragt, was für eine Art von Roman es ist, das zeugt von Interesse :) .
        Wenn du den Begriff gerne benutzt, dann solltest du es machen.

        Ich habe noch eine letzte Frage, falls dein Buch schon im Laden steht: Wie fühlst du dich, dort wo es platziert ist? Also ich meine nicht vorne/hinten sondern bist du damit glücklich, neben welchen „Nachbarn“ es steht?

        Vielleicht geht es im Endeffekt einfach nur darum, ob du als Autorin ein gutes Gefühl bei der Sache hast und dich wohl fühlst. Tust du das, ist das doch schon die halbe Miete :)

      • Du hast vollkommen Recht, aber das mit dem „wenn jeder…“ ist ja immer schwierig. Das Problem ist auch in meinem Brotjob da und zwar wenn es um die Bezahlung geht. Als selbstständige Redakteurin arbeite ich auf Tagessatzbasis und da ist es oft so, dass manche Firmen einen Preis, der eigentlich Standard ist, nicht bezahlen wollen, weil zu viele andere diesen (zum Teil extrem) unterbieten. Wenn da alle an einem Strang ziehen würden, dann ginge das gar nicht.

        Aber zurück zum Roman :) Ich hätte auch nichts dagegen, sich von dem „Frauen“-Vorsatz vor selbigem zu trennen – denn, nein, ich benutze den nicht wirklich gerne. Ich habe nur das Problem, dass ich diesen Unwillen dann doch sehr auf mich beziehe und denke: Geht es dir nur darum, dass du dich unwohl fühlst, weil du eben nicht große Literatur versuchst? Schämst du dich, weil dein Genre nicht von Natur aus cool ist? Insofern fühle ich mich wohl nur zu 85% Prozent wohl mit dem, was ich als Autorin tue, was aber viel mehr mit mir und meinen persönlichen „Problemen“ und Schwächen zu tun hat, als mit dem armen Buch, das ja auch nix dafür kann ;)

        Selbiges steht übrigens noch nicht im Laden, es erscheint erst im Frühjahr. Aber ganz ehrlich: ich glaube, dann wird mir schnurzpiepegal sein, in welcher Ecke es nun steht – die Freude darüber überhaupt einen Roman von mir in einem Buchladen zu sehen, wird alles andere überstrahlen denke ich. Das ist ja doch ein Lebenstraum, der da in Erfüllung geht und welches Gewand er trägt ist da am Ende nebensächlich!

      • Oh dann wüsche ich dir jetzt schon für die Veröffentlichung im Laden alles Gute! :)

        Vielleicht ist dein Roman auch revolutionärer als du denkst, wie schon gesagt.

        Ich würde einfach, wenn mich jemand fragen würde, von der Story anfangen und nicht mit Kategorien. Und wenn die Zeit knapp ist im Gespräch reicht doch „Unterhaltungsroman mit weiblicher Protagonistin….du willst mehr wissen? Dann könnte ich doch für dich schon mal ein Exemplar beiseite legen…“ :P

        Allein schon aus purer Neugierde würde mich interessieren, wie Leser meinen Roman einstufen würden. Ich glaube, dass mit solchen Begriffen eine Beeinflussung schon stattfindet.

        Das was du schreibst, dass du Selbstzweifel hast, ist normal, bei jedem Künstler denke ich. Aber ein Leser könnte das unbewusst in seine Wertung miteinbeziehen, noch VOR dem Lesen: „Na wenn die Autorin selbst ihr Buch in das Genre steckt, das nunmal bisher für Klischees bekannt ist, dann werde ich selbst auch nicht gerade die neue Austen darin sehen.“ Weißt du was ich meine?

        Vielleicht bist du auch sehr in diesen Kategorien drin dank Verlag. Vielleicht wäre es ein Versuch wert, sich im Alltag etwas davon zu lösen. Könnte auch etwas Druck aus der Sache nehmen.

        Aber das ist nur eine Meinung, eine Person hier, jemand anderes würde darüber ganz anders denken.

        Mach es so, wie du dich dabei gut fühlst und am Ende zählt nur dein Werk und dass du stolz darauf sein kannst :)!

      • Du hast Recht, ein bisschen mehr Entspannung, Lockerheit und vor allem Unabhängigkeit von (Denk- und Verlagskategorien) kann eigentlich nur gut tun! Vielen Dank für deine inspirierenden Worte! :)

  8. Lustig muss eindeutig nicht immer leicht oder banal oder unoriginell sein! Ich lese gern mal was Lustiges, gerade zur Entspannung. Jane Austen ist übrigens auch lustig – in „Northanger Abbey“ vor allem. (Der Roman parodiert übrigens an mehreren Stellen die damals beliebten „Gothic Novels“, also Liebes-/Schauerromane, in denen es um eingekerkerte Nonnen, verschwörerische Mönche, Findelkinder, die insgeheim adliger Herkunft sind, im Wald versteckte Banditen, alte Burgen mit Geheimgängen, Geister von Ermordeten und so weiter geht – so was wie die „Twilight“- oder „Vampire Diaries“-Romane der 1800er eben, mit mehr Antikatholizismus und weniger Vampiren, aber mit fast genauso viel Gewalt und Sex.) Da wir schon bei lustigen Autoren sind: G. K. Chesterton hat zum Beispiel auch oft mit einem gewissen Humor geschrieben, und zählt dabei auch zu den „klassischen“ Schriftstellern statt zu den seichten. Oder oder oder… klassische Komödien finden sich ja haufenweise bei Shakespeare und Co.

    Was mich in den typischen Frauenromanen oft stört, sind Klischeefiguren: Die weibliche Hauptfigur, die (im historischen Frauenroman) „Konventionen hinterfragt“, und zwar genau in der Weise, wie man sich im Jahr 2017 vorstellt, dass sie das hätte tun müssen, ob das jetzt historisch plausibel ist oder nicht. Die Frau, die wegen ihres schlimmen Exfreundes endgültig von Männern enttäuscht ist und sich in ihre kleine Heimatstadt zurückgezogen hat und dann dort doch wieder diesen einen wunderbaren Mann findet, der sie von sich überzeugen kann. Die junge, schüchterne Frau, die ganz unerfahren ist und noch gar keinen Freund hatte, bevor sie dann diesen einen besonderen Mann kennenlernt. Die Frau, die einfach auf unbestimmte Weise zu gut für ihre langweilige, provinzielle Umgebung ist – typisches Beispiel: Belle in der Disney-Version von „Die Schöne und das Biest“ („There must be more than this provincial life“) – und niemanden hat, der sie versteht, bis dann dieser eine Mann auftaucht. Der Mann, der zuerst abweisend und unfreundlich ist, und dann seine guten Seiten und seine Traumata offenbart, die an seinem Verhalten schuld waren. Die Nebenfigur der zickigen, vielleicht ein wenig bitchig rüberkommenden, aber durchsetzungsfähigen und treuen Freundin. Die Kinder, die nur als unwichtige, süße, Kindersachen sagende Sidekicks ohne Persönlichkeit da sind, um darzustellen, dass die Hauptfiguren (z. B. der jung verwitwete Vater und die Hauptfigur, die sich in ihn verliebt) kinderlieb sind. An Klischees ist, ganz allgemein gesprochen, nicht nie was dran, sonst wären sie keine Klischees geworden, aber wenn sie ständig vorkommen, nerven sie einfach.

    Was gute Romane vor allem ausmacht, ist, denke ich, dass sie realistische Figuren haben, die ganz unterschiedlich voneinander sind und unterschiedliche gute und schlechte Eigenschaften haben. Um noch mal Jane Austen als Beispiel zu nehmen, keine ihrer Figuren ist so wie die andere, Emma ist anders als Elizabeth Bennett oder Fanny Price oder Elinor Dashwood oder Catherine Morland. Man sollte Figuren erlauben, sozusagen „sie selbst zu sein“ (ohne dabei aber wieder die ganzen Klischees, die inzwischen auch schon wieder mit „Ich bin nur ich selbst / Ich verwirkliche mich selbst / Ich finde meine Bestimmung“ einhergehen, neu aufzubrühen), und ihre eigene Geschichte zu erleben, in der nicht nur die typischen Stationen von „Es ist nicht das, wonach es aussieht“-Situationen, Vorm-Altar-Stehenlassen-Situationen usw. vorkommen.

    Sicher gibt es in jedem Genre gute und schlechte Romane; die Schwierigkeit ist meistens leider nur, die guten zu finden! ;)

    Viele Grüße, Crescentia.

    • Noch etwas: Ich finde, es ist gerade auch eine besondere Kunst, in Büchern, die nicht nur Lustiges behandeln (wahrscheinlich sind wenige Bücher NUR lustig; wichtige, ernste Themen finden sich fast überall), an manchen Stellen einen gewissen Humor oder eine Leichtherzigkeit hineinzubringen. Robert Hugh Benson (einer meiner Lieblingsschriftsteller; leider seit hundert Jahren tot und heute kaum mehr bekannt) hat das zum Beispiel in seinen Romanen wunderbar beherrscht. Er konnte Romane über religiöse Verfolgung oder okkulte Sekten schreiben und trotzdem sind Stellen darin, an denen man lächeln oder lachen muss – einfach, weil er über MENSCHEN schreibt. So was, finde ich, ist sehr schwierig zu machen und sehr schön zu lesen.

      Langer Rede, kurzer Sinn: Humor sollte wirklich nicht als Zeichen von Minderwertigkeit, und Zynismus und Brutalität nicht als Zeichen von Qualität behandelt werden.

      – Crescentia.

    • Liebe Crescentia,

      ich merke schon: An Jane Austen ist kein Vorbeikommen :) Ich bestreite übrigens auch gar nicht, dass es angesehenen Komödien gibt und dass auch das Lustige hin und wieder die angemessene Anerkennung bekommt, aber um dein Shakespeare-Beispiel aufzugreifen; fragt man nach dem wichtigsten Stück von selbigem, dem einen Text, den man unbedingt gelesen haben sollte, dann wird vermutlich eher selten eine seiner Komödien genannt werden. Das Drama überschattet auch hier.

      Mir geht es im Übrigen wie dir; mit den Figuren steht und fällt für mich eine Geschichte. Leider, das muss ich schon sagen, sind diese im Frauenroman oft sehr flach und wenig eigenständig. Ich wünsche mir im Grunde von jedem Charakter, dass er interessant genug ist, um sein eigenes Buch, seine eigene Geschichte haben zu können – das gelingt mir nun beileibe auch selbst nicht immer, aber zumindest versuche ich im Hinterkopf zu behalten, dass jede Nebenfigur das Recht auf ein eigenes Leben und einen eigenen Charakter hat.

      Aporpros ich selbst; natürlich bin auch ich in die ein oder andere Klischee-Falle getappt. Komisch ist, dass man das beim Schreiben manchmal (zu) spät merkt – da kreiert man unbewusst Menschen, Situationen oder Reaktionen, eben weil sie so allgegenwärtig sind.

      Wobei die Beispiele, die du (zu Recht!) nennst, meiner Meinung nach schon an einem Grundproblem leiden: Sie alle drehen sich beinahe alle um einen Mann. Klar, komplett auf eine Liebesgeschichte zu verzichten dürfte im Frauenroman schwierig sein (Konventionen brechen ist super, bricht man allerdings alle Regeln des Genres, ist es einfach nicht mehr das Genre), aber das bedeutet ja nicht, dass es PRIMÄR darum gehen muss. Die Tendenz dazu ist natürlich da (und das Marketing läuft dann ja auch meist in die Liebesrichtung, unabhängig davon, wie viel Raum dieser Teil der Geschichte im gesamten Roman tatsächlich einnimmt), aber das eigentliche Thema, der Hintergrund, der Kern eines Buches, auch eines Frauenromans, kann glaube ich durchaus ein ganz anderer sein.

      Aber ja: Die Guten finden ist immer schwierig – bei allen Dingen im Leben ;)

      Liebe Grüße,
      Myriam

      • Ich wollte deiner Beobachtung, dass die Komödie oft zu wenig Aufmerksamkeit bekommt, gar nicht widersprechen – bloß sagen, dass es nicht so sein sollte, weil es ja so offensichtlich gute lustige Sachen gibt ;) Du hast total Recht mit dem, was du über die Konventionen und Regeln schreibst. Man muss echt das Gleichgewicht finden zwischen „zwanghaft alle Konventionen brechen wollen“ und „total klischeehaft bleiben“. Wenn es bei einer Frau in einem Roman halt nur drum geht, ob sie den Mann kriegt, ist sie einfach kein runder Charakter mit einem kompletten Leben.

        – Crescentia.

      • Das sehe ich genauso und da ist auch der Punkt, wo ich immer mit den Augen rolle: Liebesgeschichte schön und gut, aber das Lebensglück keiner Figur sollte einzig und allein vom Partner abhängen!

      • Und wenn es das tut, wäre das eine gute Gelegenheit, über ihre Probleme, die dazu führen, dass sie nur durch eine andere Person glücklich sein kann, zu schreiben ;)

      • Hervorragende Idee :D Zumal es da leider auch in der Realität genug Entsprechungen für gibt…

  9. Bei den Büchern die ich lese machen Frauenromane tatsächlich einen eher geringen Prozentsatz aus, andererseits haben mich aber einige von denen, die ich gelesen habe wirklich berührt und begleiten mich immer noch. Zum Beispiel „Bridget Jones“ oder „Beim nächsten Mann wird alles anders“. Oder natürlich auch mein großer Liebling „Stolz und Vorurteil“, der ja auch ein Frauenroman ist. Ich stimme dir auch absolut und von ganzem Herzen zu, dass sich auch durch Humor wichtige Botschaften vermitteln lassen und dass es nicht heißt, dass ein Buch nicht intelligent ist, nur weil es witzig ist.
    Was mich bei Frauenromanen einfach oft abschreckt sind tatsächlich die meist recht klischeehaft erzählten Liebesgeschichten. Erstens finde ich es schade, dass es dadurch immer wirkt, als bräuchte eine Frau auf jeden Fall auch einen Mann an ihrer Seite, andererseits bin ich mit typischen Lovestories einfach mittlerweile so übersättigt, dass ich sie wenn möglich nicht mehr lese.
    Allerdings möchte ich auch nochmal anmerken, dass der große Shakespeare seinerzeit auch als vorderstes Ziel hatte sein Publikum bestmöglich zu unterhalten. Er hat unglaublich viel Humor in seine Stücke eingebaut, auch in die Tragödien. Das wird heute ja ganz gern übersehen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: