Zeigt her eure Klassiker!

Meistens schreibe ich hier über Erkenntnisse des Alltags (im weitesten Sinne) oder von Ereignissen, die mich in irgendeiner Form gerade beschäftigen (meistens aufregen) und ich bemühe mich, dabei eine halbwegs runde Geschichte zu erzählen. Diesmal ist das Ganze etwas Eckiger, obschon auch hier ein stromlinienförmiger Gedanke der Ursprung ist, nämlich: Was soll ich in Südamerika bloß lesen, wo ich es doch nur schlecht ertrage, Bücher nur virtuell zu besitzen?

Heute morgen dann kam mir die Lösung, das heißt sie erschlug mich fast, als ich nämlich im Flur zu schwungvoll um die Ecke bog, das Regal streifte und Herr Goethes Faust mich per Kopfstoß beinahe ins Reiche der Träume beförderte. Natürlich, dachte ich, während ich mir die Stirn rieb und den Leinenband brav zurück an seinen Platz stellte, die ganzen Klassiker! 

Denn die ganzen Klassiker will man ja eh immer mal lesen, außerdem sind sie meistens recht billig zu haben und zwar in beiden Varianten, gedruckt wie auf dem Bildschirm, weshalb ich es mir durchaus leisten kann, nach meiner Rückkehr aus Südamerika einen Rückwärts-Shopping-Tag einzulegen und alles ein zweites Mal anzuschaffen, für die Regale nämlich.

Nun wäre eine vollständige Liste aller Möglichkeiten endlos lang und auch ein wenig dröge, also möchte ich lieber über meine momentanen Top 5 der Nun-endlich-werde-ich-auch-dich-mal-lesen-Klassiker sprechen. An dieser Stelle freue ich mich übrigens nicht nur über Einschätzungen meine Fünf betreffend, sondern auch über Ergänzungen, Ratschläge und andere Top-5-Klassiker-Listen. Statt trockene Auflistungen diverser Zeitungen und Fernsehkanäle abzuarbeiten, hoffe ich lieber auf persönliche, menschliche, ehrliche Meinungen und Erfahrungen. Selbige habe auch ich vor bald zu haben und zwar mit diesen Büchern:

  1. Krieg und Frieden. Obwohl ich Anfang 20 eine ausgesprochene Russen-Phase hatte, Dostojewski verschlang, Solschenizyn las und auch Tolstoi an sich nicht verschmähte, blieben diese gefühlt 4347 Seiten ungelesen. Zeit das zu ändern, obwohl ich nicht sicher bin, dass Südamerika rein atmosphärisch die richtige Umgebung ist. Na ja, auch in den Anden liegt ja schließlich Schnee.
  2. Ulysses. Zu James Joyce habe ich ein sehr merkwürdiges Verhältnis. Schuld daran ist Javier Mariás und sein Geschriebenes Leben*, denn darin beschreibt der Spanier anschaulich die Kot-Manie des Iren und so denke ich bei Joyce statt an Weltliteratur immer erstmal an Scheiße. Vielleicht wird das nach der Lektüre ja anders.
  3. Jane Eyre. Hätte es sowas zu meiner Jugendzeit gegeben, ich wäre ganz klar Team Emily gewesen, allein schon weil alle anderen Team Charlotte gewesen wären und ich als Teenager grundsätzlich gern erstmal dagegen beziehungsweise anders sein wollte. Heute bin ich älter, allerdings nur wenig weiser, denn heute würde ich wiederum gerne mitreden können, weshalb Charlotte auf die Liste kommt. Wobei ich mich grad frage: Was ist eigentlich mit der armen Anne? Okay, Agnes Grey wird mein Bonus-Band.
  4. Berlin Alexanderplatz. Ich habe offen gestanden nicht die geringste Ahnung worum es darin überhaupt geht, aber hey, irgendeine Form von Heimatgefühl wird schon aufkommen, das legt der Titel zumindest nahe. Und wenn nicht, geht die Welt davon ja auch nicht unter.
  5. Moby Dick. Warum ich das nicht längst gelesen habe, weiß der Himmel, ich habe schließlich schon seit der dritten Klasse und Start Trek IV ein ausgesprochenes Wal-Fetisch und spätestens als Fox Mulder einmal sagte, er hätte so gerne ein Holzbein, hätte ich eigentlich losstürzen und mich in die Lektüre versenken müssen. Aber wahrscheinlich war ich zu beschäftigt damit, verzückt zu seufzen.
*Das ist übrigens meine Empfehlung des Tages, ach was, des ganzen Lebens: Dieses herrliche, nur halb ernste, immer unterhaltsame, sprachlich gewandte und menschlich berührende Buch über die schreibende Zunft und ihre Macken. Lesen! Sofort! :)

Beim Überlegen merkte ich übrigens, dass mir wieder mal viel zu wenig AutroINNEN einfallen, da ich das wenige, was es klassischerweise von Frauen auf klassische Klassikerlisten schafft, schon gelesen habe (Shelley, Plath, Beauvoir, Woolf, Lee) – wem da noch was in den Sinn kommt: Immer her damit!

Eine zweite Reise-Lese-Kategorie habe ich übrigens auch noch eröffnet, nämlich die Literatur vor Ort, also das, was von südamerikanischen Autoren geschrieben wurde. Es stehen vor allem die offensichtlichen Kandidaten (Gabriel García Marquez, Mario Vargas Llosa, mein geliebter Pablo Neruda) auf dieser Liste, außerdem Roberto Bolaño und dank dieser guten Empfehlung auch der argentinische Nachwuchs. Tiefer bin ich noch nicht in die Recherche gestiegen, bin also auch in diesem Fall dankbar für jeden Tipp.

P.S. Auch ich möchte gern mal angeben und weil ich es sonst vielleicht niemals schaffen werde, folgende Zeilen unterzubringen, mache ich das einfach jetzt: Marcel Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit habe ich schon gelesen. Alle achtmilliarden Bände!!

FullSizeRender (20)
So eine Art Beweisfoto.

P.P.S. Ich habe soeben gelernt wie man ein ñ tippt. Ich bin sehr stolz auf mich.

8 Kommentare

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  1. Liebe Myriam: Cortázar, Cortázar und noch mal Cortázar – empfiehlt die Cortázar-verrückte Leserin! (Rayuela!)

  2. Hallo :) Ich könnte dir eine ganze Liste von Top-Klassikern aufschreiben, aber ich bin al so frech und verlinke dir hier meinen Beitrag , der diese Liste enthält. Klassiker von Frauen? Wie wär’s mit Jane Austen ? ;)

    https://pialalama.wordpress.com/2016/11/22/challenge-ohne-ende-was-kommt-noch-auf-mich-zu/

    • Das ist doch nicht frech, das ist hilfreich! :) vielen lieben Dank dir! Bei Jane Austen bin ich unsicher, ich bin nicht sooooo sehr der romantische Typ und ordne das immer in diese Ecke. Aber vielleicht liege ich da ja falsch?!

      • Ich lese eigentlich auch keine Liebesromane mit romatischen Kitsch, aber ich finde dass die Jane Austen Romane hier wirklich etwas besonderes sind. Abgesehen von Austens Schreibstil, der einfach nur wunderbar ist, gefällt mir hier der kleine Seitenhieb gegen die Gesellschaft, den sie hier immer mit einbindet. Es handelt sich hier auch nicht wirklich um kitschige Liebesgeschichten. Frau & Mann küssen sich nicht, es gibt so gut wie keine Liebesbekundungen. Es war eben eine andere Zeit damals. :) / Ich hoffe meine Liste kann dich inspirieren :D

      • Ganz bestimmt, ich freue mich schon drauf, sie in Ruhe durchzugehen. Und Jane Austen sollte ich wohl einfach mal eine Chance geben, schaden kann es ja nicht ;)

  3. Proust- ich bin sehr beeindruckt (und ein wenig eingeschüchtert! ). Ich bin auch mal so frei und sende dir einen Link zu meiner persönlichen Klassikerliste.
    https://wissenstagebuch.com/150-buecher/
    Viele Grüße
    Jana

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