Ihr Bücherlein kommet … aber woher eigentlich?

Ich bin ein Mensch mit ziemlich wenig Zeugs. Fast alles was ich besitze hat eine klare Funktion und wird von mir entsprechend benutzt, mal mehr, mal weniger, aber immer regelmäßig. Da ich kaum an materiellen Dingen hänge (und auch nur wenig an ideell aufgeladenen), werfe ich auch regelmäßig alles mögliche weg, so dass zum Beispiel ein Umzug für mich günstig und leicht sein sollte, weil mein Kram quasi in jeden Smart passt. Beziehungsweise passen könnte, wenn, ja wenn es meine Bücher nicht gäbe. Davon hatte ich beim letzten Wohnungswechsel 36 Kisten voll und das ist nun auch schon wieder vier Jahre her, eine Zeit, in der einiges an Büchern dazu gekommen ist.

Denn nicht nur, dass ich es nie über’s Herz bringe, sie wegzugeben, ich kann auch nicht anders als sie zu käuflich zu erwerben. Bücher muss ich besitzen, ich weiß nicht warum. Ich mag sie nicht wirklich gern leihen, weder von Freunden noch in Bibliotheken, und mir graut schon jetzt davor, dass ich im nächsten halben Jahr aus Gründen der Rückenschonung auf einen E-Reader umsteigen muss. Es würde mich nicht wundern, wenn ich zurück in Deutschland alles was ich in Südamerika gelesen habe auch noch als Printausgabe besorge.

Die Frage ist nur: Wo? Über mein diesbezügliches Einkaufsverhalten habe ich mir bisher nie bewusst Gedanken gemacht, doch Tag 9 der Autorenwahnsinn-Sommeredition und die Frage nach der Lieblingsbuchhandlung hat mich kopfüber in eine spontane Shopping-Analyse gestürzt. Das EINE Geschäft, das alles hat, was ich mir wünsche, inhaltlich wie optisch, das habe ich noch nicht entdeckt. Trotzdem weiche ich nur selten auf Amazon aus, denn obwohl ich selbiges sehr gern zur Recherche nutze oder für Bürokrams, mag ich dort nur höchst ungern Bücher bestellen, denn ich denke dann immer, dass ich dem Buchhandel gerade in den Rücken falle und zwar mit dem gezückten Dolch in der Hand. Was schlecht ist, denn ich mag den Buchhandel und vor allem mag ich Buchhandlungen.

Besonders wohl fühle ich mich in kleinen, stylischen, besonderen Läden, von denen es in Berlin netterweise gleich mehrere gibt. In jenen Oasen des guten Geschmacks erwerbe ich in der Regel die so genannte Literatur, also alles das, was (angeblich) intellektuellen Anspruch hat. Nun tue ich das nicht, weil ich den Rest gar nicht erst anfassen möchte, sondern weil diese Art Läden halt leider meistens einen gewissen Dünkel hegen und wenig zur Schau stellen, was sich nicht auch selbst gern zur Schau stellt. Das ist schon in Ordnung, schließlich kann man nicht gleichzeitig auf Erlesen machen und querbeet alles anbieten, insofern kann ich damit leben, dass ich hier nicht alles bekomme was ich will.

Wenn ich also reine Unterhaltung suche, Sommerlektüre oder das ein wenig ungerecht so genannte Seichte, dann wandere ich eher in die Großtäter des Buchverkaufs, also die Ketten, die sich schon eher am breiten Geschmack orientieren. Meistens passiert das in Leipzig, weil ich dort abends oft allein bin, von der Arbeit erschöpft und der Ludwig am Bahnhof bis 22 Uhr geöffnet hat. Zu Hause in Berlin wird es dann eigentlich immer der Dussmann. Dussmann nennt sich Kulturkaufhaus, bietet aber auch feuilletonfremde Ware zum Verkauf an. Netterweise gibt es dort auch ein enorm umfangreiches Sortiment auf Englisch. Dass ich nicht einfach immer dorthin gehe, liegt daran, dass ich gerne die Kleinen unterstütze und außerdem an der Atmosphäre. Es ist mir zu groß, zu laut, zu voll im Dussmann, da stöbere ich nicht gern, da besorge ich bloß.

Zum Stöbern besser eigenen sich Flohmärkten und Second-Hand-Buchläden. Doch auch zu diesen habe ich ein eher zwiegespaltenes Verhältnis. Einerseits könnte ich es mir gar nicht leisten, alles was ich lese zum Originalpreis zu erwerben, andererseits denke ich immer an die armen Autoren, die ja nun weiß Gott keine Reichtümer erwirtschaften und finanziell genau gar nichts davon haben, wenn ich ihr Buch gebraucht erwerbe. Weshalb ich in den Räumen des Rabatts am Liebsten zu Bestsellern oder zu den Werken von Toten greife, weder die einen noch die anderen sind schließlich auf meine Euros wirklich angewiesen.

Wenn ich an all diesen Orten nichts finde, gucke ich übrigens gern in meine eigenen Regale, die ja ohnehin immer mehr die Ausmaße einer Bibliothek annehmen. Da ist meistens immer noch irgendwas, was ich gekauft und dann doch nicht gelesen habe und wenn nicht, dann lese ich einfach etwas ein zweites (oder auch drittes) Mal. Denn ja, ich bin ein Wiederleser. Und insofern ist es vermutlich nur richtig, dass ich nichts wegwerfe, was ich büchertechnisch angeschafft habe. Man weiß nie, wann man sich vielleicht noch einmal darüber freuen wird.

10 Kommentare

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  1. Huhu,
    das ist ja fast eine Liebeserklärung an den Buchhandel ;)
    Sehr schön geschrieben!
    VG Jennifer

  2. Schön :-) Mir geht es ähnlich. Meine Bücher sind wegen Platzmangel größtenteils familiär ausgelagert. Und die Hälfte habe ich irgendwie bei Umzügrn verloren. Ich liebe Bücher. Letztens habe ich mein allererstes Buch, was ich gelesen habe, bei meiner Mutter gefunden und jetzt habe ich ein Puzzlestück mehr. Tashi… eine Reise zu einer besseren Welt. Das las ich mit 13 Jahren. Dsnk dir für die kleine Zeitreise :-)

  3. Oh je, so politisch korrekt bin ich leider nicht, ich nutze oft und gerne frei zugängliche Bücherschränke, aber immerhin lege ich für jedes Buch, das ich dort entnehme, auch eines hinein. Davon hat der Autor dann zwar auch nichts, aber ich habe mich zumindest nicht unrechtmäßig bereichert. 😉

  4. Ich liebe das Stöbern in Buchhandlungen. Ich habe ein paar Jahre mitten in der Fußgängerzone in Kiel gewohnt. Da führte fast jede Woche ein Spaziergang zu den kleineren und größeren Buchhandlungen. Seit damals habe ich mir ein Limit gesetzt maximal mit drei neuen Büchern den Laden verlassen zu dürfen. Ohne Limit hätte ich inzwischen bestimmt kein Geld mehr um in Urlaub zu fahren.
    Seit dem ich blogge komme ich viel zu selten zum Stöbern, da die Bücher auf wundersame weise ganz von alleine zu mir kommen. Aber ich freue mich schon auf den nächsten Urlaub. Ich werde in New York stöbern und ein paar englische Bücher in den Koffer packen für den Rückflug.
    LG Kerstin

    • Ach, es geht doch wirklich nichts über das ziellose, genussvolle Streifen durch Buchläden! Ich persönlich könnte nicht mit Limit stöbern gehen, da käme ich mir von mir selbst zu kontrolliert vor :D Vor der Pleite schützt mich dann nur ein strenges Aussortieren vor dem Bezahlen – wobei, im Urlaub war ich seit Ewigkeiten nicht mehr, vielleicht hat das ja doch was damit zu tun?! :D

      Dir auf jeden Fall eine tolle Reise nach New York und viel Vergnügen beim Bücher-Stöbern dort – das geht ja ganz hervorragend in den vielen tollen Läden. Ich hab vor acht Jahren mal ein paar Monate dort gelebt und musste am Ende zwei Kisten mit Büchern nach Hause schicken ;)

      Liebe Grüße,
      Myriam

  5. luiseblaettertauf August 27, 2017 — 1:52 pm

    Seit ich in einer Buchhandlung ausgeholfen habe, ist mir noch mehr die Bedeutung von Buchladen und ihrer persönlichen Beratung bewusst geworden. Seit dem boykottiere ich Amazon vollkommen, was das Bücher kaufen angeht. Buchketten haben eine vielfältige Auswahl. Doch eigentlich, auch wenn man nicht immer die Zeit dafür findet, das entspannte Stöbern ist am schönsten in den kleinen Buchläden in der Nachbarschaft 💚. Jedoch, egal wo, beraten könnem Buchhändler viel besser als Online-Anbieter 😉.

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