Immer nur warten (und wie man damit leben kann)

Das sagt einem auch keiner vorher: Das man gefühlt mehr wartet als schreibt im Leben als Verlagsautor. Man wartet auf E-Mails, auf Titel, auf Cover, auf Termine, auf Zu- und Absagen, auf Lektorate, Korrektorate, Lob und Kritik und nicht zuletzt wartet man natürlich auf seine Veröffentlichung. Wobei ich nicht sicher bin, dass das warten danach aufhört. Ich argwöhne sogar, dass es dann noch schlimmer wird, weil man auf die wartet, die einem wirklich am Herzen liegen, die Leser nämlich.

Im Moment geht mir diese Wartrei ehrlich gesagt tierisch auf die Nerven, nicht zuletzt, weil ich einer dieser Menschen bin, die bei Kontrollverlust augenblicklich Amok laufen. Denn obwohl das Ganze an sich natürlich ein eher positives Warten ist (im Gegensatz zum Warten auf Diagnosen oder den Weltuntergang), komme ich einfach null damit zurecht, dass ich nichts tun kann, um die Wartezeit zu verkürzen. Die Dinge dauern nun einmal so lange sie dauern und wenn ich mich auf den Kopf stelle und verzweifelt „Attica! Attica!“ brülle, wird das daran nichts ändern.

Da Verkürzen also ausfällt, bleibt nur Versüßen. Dafür nutze ich gern folgende Möglichkeiten:

  1. Fantasieren. Ist einem als Autor ja eh in die Wiege gelegt. Da ich in dieser Funktion gern zwischen absoluter Selbstzerfleischung (Niemand wird mein Buch lesen!) und totalem Größenwahn (Ich werde die Bestsellerlisten stürmen!) oszilliere, konzentriere ich mich auf den Entwurf verschiedener Zukunftsszenarien meine Karriere betreffend. Leider führt das dazu, dass ich noch ungeduldiger werde, insofern kann ich diese Methode nur bedingt weiterempfehlen.
  2. Arbeiten. Ich kann nun zum ersten Mal dankbar sein, dass ich nicht allein vom Schreiben lebe, dann fiele dieser Weg nämlich flach: Sich auf eine andere Aufgabe konzentrieren. Ging in meinem Fall auch lange gut, so eine Redaktionsleitung ist zwar sehr spannend, aber eben auch kein Zuckerschlecken. Jetzt liegen wir mit unserem schönen Projekt allerdings in den letzten Zügen, lange kann ich also nicht mehr darauf bauen, dass mich Formatüberlegungen, E-Mail-Marathons und Protagonisten-Liebe vom Warten ablenken.
  3. Lesen. Theoretisch super, praktisch nur dann von Vorteil, wenn es sich bei der Lektüre um die von fremdsprachiger Fachliteratur oder Lyrik handelt, ansonsten startet mein Gehirn in vielen Fällen sofort die Echtzeit-Analyse: Wie ist das geschrieben? Wie hätte ich das gemacht? Wie ist der Plot strukturiert? Wie klingt die Sprache? Worauf will die Autorin hinaus? Und hat die eigentlich auch immer so lange auf alles warten müssen?
  4. Schreiben. Haha. Dann geht der ganze Warteprozess doch bloß wieder von vorne los! Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite ist schreiben gar nicht so verkehrt, meine Flucht nach vorn Richtung Blog  jedenfalls bereitet mir mehr und mehr Vergnügen. Wobei man natürlich darüber diskutieren kann, ob es einem das Warten tatsächlich erleichtert, wenn man darüber schreibt, wie furchtbar das Warten ist. Aber das ist mir jetzt zu philsophisch.
  5. Reisen. Sozusagen mein Ablenkungs-Endgame. Statt in der üblichen Routine zu stecken während ich warte und warte und warte schaue ich mir in Kürze einfach einen fremden Kontient an. Wenn Südamerika mir diese Zeit nicht versüßen kann, dann ist wahrscheinlich eh Hopfen und Malz verloren.

Wer übrigens noch andere Ideen hat, der möge sich gerne hier melden, schließlich geht mein Flieger erst in ein paar Wochen – und bis dahin, so fürchte ich, muss noch mal ziemlich viel gewartet werden.

 

21 Kommentare

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  1. Einer meiner Autoren schrieb mir jüngst: „Während ich darauf warte, dass der Verlag mein Buch fertig bekommt, schreibe ich noch einen Krimi im Selfpublishing.“ Ich denke, dem geht es ähnlich wie dir und ich finde seinen Plan durchaus sinnvoll, denn damit kombiniert er 1. und 4. Und wenn einen 3. eh nicht ablenkt, kann man ja auch gleich Fachliteratur lesen; Wolf Schneider, Sol Stein und Kristin Kopf haben ja irgendwann mal auf Leser gewartet. Überhaupt aber sollte die Kombination von 5. und 4. ein sicheres Pferd sein – Ablenkung und Nichtablenkung zugleich!

    • Ein perfekter Plan, zumindest wenn ich das Genre Krimi gegen ein anderes austausche, denn was ich mir in diesen Gefilden Unlogisches zusammenfabulieren würde, das möchte wirklich keiner lesen müssen – außer derjenige genießt es, nicht ob des spannenden Plots zu schaudern sondern wegen der schlechten Handlung. :D

  2. Warten ist sicherlich der anstrengendste Teil des Lebens, aber im Warten liegt immer auch eine Aufgabe: zuhören! Und zwar der inneren Stimme: Was erwarte ich? Was mache ich, wenn die Erwartung nicht eintrifft? Kann mir diese eine Moment wirklich geben, wonach ich gesucht habe?
    Ich habe schon so einige Ziele erreicht, aber es gibt immer ein Weiter. Ein neues Ziel, eine neue Aufgabe. Falls nicht, dann läuft irgendetwas falsch ;-) Mein Tipp für dich – schaff dir neue Ziele an denen du arbeitest, während du wartest. Ablenkung ist ganz nett, aber eben nur Ablenkung.

    • Mmhh, da würde ich so halb ja zu sagen und so halb nein :) Denn ohne Ziele und Aufgaben wäre das Leben sicher weniger schön und sinnvoll, gleichzeitig muss gerade ich oft aufpassen, dass ich mir nicht zu viele auf einmal setze. Denn ich weiß ja, es steht noch ein zweites Manuskript an (wo ich gerade auf Feedback zur Idee warte) und eben meine lange Reise (auf deren Start ich warte), also brauche ich wenn, dann eine Aufgabe, die nicht so lange dauert und nicht so viel Raum einnimmt – sonst habe ich am Ende wieder so viel gleichzeitig zu tun, dass alles darunter leidet (vor allem mein Schlaf!). Das wiederum wäre dann aber wirklich ganz schön, denn dass Ablenkung eben nur Ablenkung ist und deshalb meistens nicht sehr erfüllend, das stimmt natürlich!

      • Hey, ich hab ja nicht gesagt, du sollst keine Ziele haben! Ohne Ziele würde in der Tat die Würze fehlen ;-) Es ging ja eher ums Warten – auch das hat seine guten Seiten. Die Ungeduld zu zähmen – ist vor allem heutzutage – eine Herausforderung. Ich gebe zu, da brauche ich auch noch etwas Nachhilfe ;-)

      • Das ist glaube ich auch eine der schwierigsten Aufgaben im Leben :) auf jeden Fall hast du mich auf die vernünftige Idee gebracht, doch einfach die Zeit zu nutzen, mein Spanisch aufzupolieren – eine kleine Aufgabe mit viel Sinn. Also danke dafür ;)

  3. Wie wäre ein zusätzlicher Punkt: Genießen! Wir wollen immer mehr, immer höher und weiter, anstatt einmal zu verweilen. Es war harte Arbeit und eine Pause heißt ja nicht, dass alles andere aus der Welt ist. Wir sind an die Leistungsgesellschaft gewöhnt und darauf konditioniert, immer weiterzumachen. Auch das Genießen und Senieren braucht seine Zeit und hat seinen Platz verdient! Findest du nicht?

  4. Noch ein Hobby zulegen? Ich bin gerne in meiner Freizeit, wenn ich nicht schreibe, anderweitig kreativ tätig. Meistens bastel ich das ganze Jahr über Weihnachtsdeko :D

  5. Du könntest kreative Projekte zuhause starten – renovieren zB lenkt ganz gut und auch langfristig ab xD

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