Kein Titel – Von der Schwierigkeit meinem Buch einen Namen zu geben

Seit knapp vier Monaten bin ich nun offiziell Autorin im Aufbau Verlag, was wunderbar und irgendwie auch witzig ist, denn noch Anfang des Jahres stand ich am Moritzplatz und seufzte: Da werde ich wohl nie erscheinen. Nun erscheine ich, sogar gleich zweimal, in einem Genre, in dem ich zugegeben eher zufällig gelandet bin, das aber erstaunlich viel Spaß beim Schreiben macht, dem humoristischen Frauenroman nämlich.

Mein erster Roman, in dem es – soviel sei verraten – unter anderem um Selbstwert, Berliner Burger und das Fernsehen im Internet geht, erscheint im Frühjahr 2018 unter einem noch nicht näher bestimmten Titel. Womit wir beim Kern dieser Erörterung wären: Meiner erstaunlichen Unfähigkeit, gewitzte Überschriften zu finden.

Das ist ein bisschen verwunderlich. Denn selbst wenn mir meine eigenen Figuren beim vierten Überarbeitungsdurchgang auf den Zeiger gehen, mein Plot mir fragwürdig vorkommt und ich allgemein Zweifel an meiner Befähigung als Schriftstellerin hege, kann ich mich normalerweise auf eine Sache verlassen: Ich bin verhältnismäßig witzig. Nur leider versagt mein Humor offenbar wenn es darum geht, meinem Schaffen einen Titel zu geben – erst Recht dann, wenn es darum geht Neugier zu wecken und Aufmerksamkeit zu erzeugen. Aber ein Titel muss nun einmal her, da gibt es nichts.

Verzweifelter Versuch der Cleverness

Also holperte ich in den vergangenen Wochen von altbackenen Witzchen (Ich glaub ich bin ein Wok) zu gruselig schlecht verdrehten Sprichwörtern (Neue Liebe fastet nicht), mühte mich an scheelen Wortneuschöpfungen (Glücklich mit Egalfigur) oder probierte pseudolässige Überlang-Sätze (Wer alles verliert kann immer noch sich selber finden) und war am Ende so verzweifelt, dass ich sogar den scherzhaft vorgeschlagenen Titel meiner liebsten Cousine ernsthaft in Betracht zog (Hätte, hätte, Liebeskette).

So kamen, mit wackerer Unterstützung von Freunden und Verwandten, am Ende ganze 87 (in Worten: Siebenundachtzig) Titelideen zusammen. Leider waren alle maximal durchschnittlich. Woran liegt das bloß? Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich in diesen Dingen auf Teufel komm raus genial sein will, was leider nur selten funktioniert. Oder die Welt ist Schuld, in der alle guten Namen schon vergeben sind. Oder aber ich muss mir einfach eingestehen, dass mir Titel und anverwandte Teasertexte schlichtweg nicht liegen, schließlich bin ich auch hier eher Clickfail als Clickbait und sogar beim tagesaktuellen Fernsehen waren meine Anmoderationen, ich muss es so sagen, oftmals eher weniger geil. Entschuldigung nochmal dafür, liebe Kollegen bei den Punkten.

Rette mich wer kann!

Gott sei Dank habe ich das große Glück die Verantwortung ein bisschen abgeben oder wenigstens teilen zu können. Früher mit eben erwähnten Kollegen, heute mit besagtem Verlag. Nun will ich natürlich nicht sagen: Macht einfach was ihr meint, es wird schon stimmen und mich dann zufrieden auf die Couch hauen und weiterlesen. Das wäre nun doch sehr lieblos und täte mir in der Schreiberseele ziemlich weh und irgendwie rückgratlos wäre es auch.

Das Gute ist ja, dass so ein Verlag anders denken kann als so ein Autor. Letzterer (also ich) möchte am allerliebsten unglaublich originell, gewitzt und individuell sein, schon im Titel alle wichtigen Themen des Buches unterbringen und dabei zeitgleich die Welt, das Rad, ach was, gleich die gesamte Unterhaltungsliteratur neu erfinden. Ersterer hingegen guckt eher darauf, was die Menschen denn wohl am liebsten auf einem Buchcover sehen möchten, so titelmäßig. Nicht aus reinem Wohltätertum, ist ja klar, aber mit der für mich recht günstigen Folge, dass mal in eine andere Richtung gedacht wird als die Selbstverwirklichung in Schlagworten, nämlich in die der Verkäuflichkeit.

Ich könnte natürlich behaupten, es interessiere mich gar nicht, wie erfolgreich mein Buch schlussendlich sein wird, weil ich ja schließlich Künstler bin und überhaupt und so, aber das wäre schon ein bisschen gelogen. Denn natürlich möchte ich nicht ungelesen auf dem Grabbeltisch enden, wer möchte das schon?

Ende gut, Titel gut – hoffentlich

Insofern bin ich gespannt, wo wir am Ende landen, der Verlag und ich. Es gibt da auch schon eine Idee, eine auf die ich so nie gekommen wäre und die allein deshalb von mir ein Umdenken erfordert, aber das ist ja vielleicht nicht das schlechteste. Denn wenn ich eins festgestellt habe in diesen Tagen der Titelsuche, dann dass meine eigene Denkrichtung geradewegs in eine Sackgasse führt.

Oder würdet ihr einen Roman kaufen, der Endstation Magerstufe heißt?

8 Kommentare

Gib deinen ab →

  1. Glückwunsch, dass Du beim Aufbauverlag angenommen wurdest mit Deinen Romanen! Und was die Titelgebung angeht – das wird schon. Viel Erfolg!

  2. Liebe Myriam,
    Glückwunsch zum Verlag! Davon träumen ja bekanntlich viele (ich auch^^), aber nicht jeder schafft das. Dass du gewitzt bist, hast du in diesem Beitrag wundervoll gezeigt! Was den Titel betrifft, kenne ich dieses Problem. Ich sage auch immer bei meinem Manuskript: Das ist der Arbeitstitel, und hoffe, dass irgendwann wer anders das ganze Mal vorteilhaft mit wenigen Worten auf den Punkt bringt.
    Weiterhin viel Erfolg!
    Liebe Grüße, Alex

    • Liebe Alexandra,
      erstmal vielen, vielen Dank dir! :) Ich habe auch einfach viel Glück gehabt auf meinem Weg dahin – ich glaube ganz ohne geht es nicht. Ich drücke dir auf jeden Fall fest die Daumen, dass sich dein Verlags-Traum ebenfalls erfüllt und dass sich dann auch der perfekte Titel findet. Ein bisschen neugierig bin ich nun aber doch; was gefällt dir denn an deinem Arbeitstitel nicht?
      Liebe Grüße zurück,
      Myriam

      • Liebe Myriam,
        der Arbeitstitel lautet schlicht „Gloria und Monique“, denn so heißen die beiden Protagonistinnen, aus deren Sicht ich abwechselnd erzähle.
        Zwischendurch hatte das Manuskript den „einfallsreichen“ Namen „Eine Freundschaft“ (was mich schwer an „In aller Freundschaft“ erinnert). Aber es geht nun mal vordergründig um die Freundschaft zweier junger Frauen. Das das ganze ein Fantasy-Epos ist, wird aus diesen Titeln leider nicht besonders deutlich. Aber ich möchte nicht auf irgendwelche ausgelutschten Phrasen zurückgreifen…
        Liebe Grüße, Alex

      • Liebe Alex, das verstehe ich, ich hab nämlich genau das gemacht (also mit ausgelutschter Phrase gearbeitet) und denke im Nachhinein, dass es vielleicht nicht schlecht gewesen wäre, mir vorher schon mal ein paar Alternativen zu überlegen – dann hätte ich jetzt nicht so schnell so fieberhaft überlegen müssen :D Vielleicht ergibt sich bei dir im Laufe der Arbeit ein genialer Gedankenblitz, ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen! ;)
        Ganz liebe Grüße,
        Myriam

  3. Also ich fände Endstation Magerstufe lustig!

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