Mehr Mehrwert? Warum ich lieber mache was ich möchte

Hin und wieder fragt mich jemand: Warum machst du das? Warum schreibst du Artikel über das Bahnfahren, Impfen oder Ängste? Viele sind neugierig, manche vorwurfsvoll. Allen muss ich sagen: Weiß auch nicht. Bisher jedenfalls. Jetzt aber habe ich mir darüber mal ernsthaft Gedanken gemacht – und eine Antwort gefunden. 

Sie ist recht simpel. Sie lautet: Ich mache das, weil ich es will. Punkt. Nun könnte ich es dabei belassen und einfach weiter mein Ding durchziehen, aber das wiederum will ich dann doch nicht, weil dann könnte ich es ja wirklich auch lassen und dann müsste ich mich wieder fragen warum eigentlich und dann würden wir uns endlos im Kreis drehen und da wird einem schnell schwindelig – ich schwanke jetzt schon ein wenig. Bevor ich also endgültig umfalle schauen wir doch lieber, warum ich es okay finde, hier etwas zu tun, nur weil ich das will und warum das am Ende vielleicht sogar dem ein oder anderen irgendwie nützlich sein kann.

Die Sache mit dem Mehrwert

Denn ich glaube die eigentliche Frage hinter „was soll das?“ ist „wem nutzt das?“ und das finde ich nicht einmal verwerflich. Wenn ich Zeit damit verbringe, etwas zu lesen, dann habe ich natürlich den Anspruch, irgendetwas für mich mitzunehmen. Allerdings liefere ich hier aber wenig relevante Informationen, schreibe nur selten Rezensionen, besetzte auch keine nützliche Nische und denke mir nur in Ausnahmefällen praktische Listen aus. Trotzdem behaupte ich, zumindest ein paar Menschen einen Mehrwert zu bieten, nämlich einen emotionalen: Entweder weil ich (hoffentlich) den ein oder anderen zum Lachen bringe oder vielleicht ein anderes Gefühl auslöse, zum Beispiel Verbundenheit.

Nun lege ich nicht in jedem einzelnen Eintrag meine Seele bloß, so viel Seele habe ich gar nicht, dass ich das dauerhaft könnte. Aber tatsächlich habe ich in der Zeit, in der ich hier schreibe, hin und wieder mal eine Nachricht bekommen, die mir diesbezüglich viel Mut gemacht hat, einfach, weil darin Dinge standen wie: Das kenne ich, das geht mir auch so, danke, dass du das aufgeschrieben hast. Das ist toll. Das zeigt mir, dass es eben nicht immer nur um knallharte Fakten gehen muss, oder um die 10 einfachsten Wege zu mehr Glück oder darum, alles für alle zu optimieren. Es geht darum, dass persönliche Worte Verbindung schaffen, Gedanken und Gefühle auslösen können. Und das wiederum ist der Grund dafür, warum ich das schreibe was ich will und ehrlich ist und nicht das, was ich vielleicht sollte, weil es nützlich ist.

Mensch oder Marke?

Was denn nun bitteschön nützlich wäre? Für mich wahrscheinlich: Möglichst viel Publikum. Ich bin schließlich Autorin, also ist streng genommen jedes Wort das ich hinaus in die Welt schicke auf einer klaren Mission: Ganz viele Leute für mein Schreiben zu begeistern. Insofern sollte ich auch hier versuchen, mich auf Verkäuflichkeit zu trimmen. Meine Texte sind Produkte und ich bin nicht nur ihr Urheber, sondern auch ihr Dealer, ihr Zuhälter und ihr Vormund. Ich muss dafür sorgen, dass sie überleben, mehr noch, dass es ihnen gut geht und das geht nur, wenn sie auch gelesen werden. Aber – und das ist ein großes ABER – es kommt nicht allein darauf an, wie viele Menschen sie lesen, sondern welche es sind: Lieber einige wenige, die sie nehmen wie sie sind, als eine große Masse, für die sie sich ändern müssten.

Und was wiederum wäre nützlich für andere? Gute Frage. Tipps für das Schreiben? Ideen für ein besseres Selbstwertgefühl? Ratschläge für Reporter? Seien wir doch ehrlich: Das gibt es schon und zwar sehr gut. Wäre es wirklich besser für alle ich würde mich auf so etwas konzentrieren anstatt aufs menschlich sein?

Trotzdem wäre es auf die Dauer gesehen vielleicht gewinnbringend (für mich oder andere), wenn ich mir eine perfekt durchdachte Marke aufbauen würde: Genau abstimmen was ich wie wann worüber schreibe, wie ich auftrete, was ich veröffentliche und so weiter und so fort. Aber das ist einfach nicht mein Stil. Umgekehrt war ich schließlich auch immer eher von denjenigen Menschen fasziniert, die nicht ein Image haben sondern einfach ein ihnen eigenes Auftreten: Die sich ehrlich zeigen, auch von ihren schlechten Seiten, die heulen und schreien und Lachanfälle haben und einen Kollaps erleiden, die peinliche Geschichten erzählen, bei denen nicht alles rund ist, alles zusammenpasst, alles einer Linie folgt.

Keine Zukunftsaussicht ist auch eine Aussicht

Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt und ich weiß auch nicht, ob ich es mir immer werde leisten können, einfach das zu schreiben was ich will und wonach mir ist. Das geht nur, weil ich nicht versuche hiervon zu leben, weil die ganze Nummer Kür ist und nicht Pflicht. Wer weiß, ob das immer so bleibt, oder ab ich nicht zwischendurch Lust habe, etwas ganz klassisch mehrwertlastiges zu schreiben, dass dann Titel hat wie: 13 Wege 8 Freunde zu finden die dir 4 Tipps geben wie du 3 mal so viel Erfolg mit nur 2 Ideen hast.

9 Kommentare

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  1. Hallo Myriam,
    dein letzter Satz ist so zutreffend! Ich musste auch ein wenig schmunzeln ;)
    Egal, was man verfolgt, Authentizität ist einfach wichtig. Nicht nur für andere, sondern auch, um sich selbst treu zu bleiben. Ich wünsche mir durchaus, auf meinem Blog eine größere Leserschaft zu haben – aber dennoch mache ich nicht jeden Scheiß, um schnellstmöglich erfolgreich zu werden. Meine Beiträge drehen sich zwar oft um Ratschläge, wie man dieses oder jenes schreiben sollte/könnte (immer im Licht meiner eigenen Meinung), auf die Marktschreier-Überschriften verzichte ich jedoch bewusst. Das bin nicht ich.
    Von daher: Meine volle Zustimmung für deinen Beitrag! :)
    Liebe Grüße, Alex

  2. Ich finde alleine schon den Artikel gut. Manmal auch mal ohne viel Druck etwas lesen oder schreiben, ein paar Gedanken mit jemanden teilen, das ist toll. Ich hatte mich auch lange mit der Frage beschäftigt, ob ich meinem Blog Professionalität beibringen soll, aber dafür macht mir das Schreiben zuviel Spaß, als dass ich drei oder vier Tage einrn einzigen Artikel korrigieren, revidieren und überarbeiten möchte. Und die Leute werden von alleine, das lesen, womit sie sich identifizieren… Dank dir herzlich. Das hat mir gut getan ;-)

    • Ach toll, es freut mich sehr, wenn ich etwas Positives bei dir ausgelöst habe – das ist wirklich das schönste Kompliment! Das Tolle daran, beim Schreiben man selbst zu sein ist ja auch, dass man dabei das Eine zeigt, was sonst keiner zeigen kann: sich selbst. Und das haben auch alle Blogs die ich gern lese gemeinsam, dass dahinter ein einzigartiger Mensch steht, von dem ich gern mehr wissen will, unabhängig vom Thema! :)

  3. Ja, geht mir auch so ^^

    Ich bin (vielleicht noch) keine Autorin, aber das Schreiben war schon immer eine Leidenschaft von mir. Zugegeben, sie ist immer zu kurz gekommen – Schule, Studium, Pflicht-Schreibseleien, andere Ausreden… dabei gibt es einem so viel, wenn man einfach darüber schreiben kann, worüber man will. Daraus entsteht sicherlich kein lukrativer Job, aber immerhin ganz viel Zufriedenheit :)

  4. Wenn ich dir nicht schon folgen würde- spätestens nach diesem Post würde ich’s tun. ;)

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