Dann lieber Malaria! Warum Reisen schön und Vorbereitung scheiße ist

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Mit monatelangen Fernreisen ist es so eine Sache. Sie sind aufregend und man freut sich drauf, gleichzeitig verlangen sie, das man sich vorbereitet. Und eingangs ahnt man ja nicht einmal, an welche inneren Grenzen man währenddessen stoßen wird, vielleicht schon im Tropeninstitut, ganz sicher aber im Globetrotter. 

Mein linker Arm ist böse auf mich. Das kann ich gut verstehen, denn seit geraumer Zeit lasse ich ihn unaufhörlich piksen (was man übrigens laut Duden tatsächlich nicht mit ie schreibt). Nicht weil ich einen geheimen Groll gegen meinen linken Arm hege, sondern weil mein linker Arm und ich in wenigen Wochen nach Südamerika aufbrechen und das nunmal nicht ohne Impfen geht. Also es geht natürlich schon, aber empfehlenswert ist es nicht, vor allem nicht wenn man wie ich ein Händchen für schwere Krankheiten hat. In Peru und Umland muss ich keine zweite Borreliose fürchten, sondern eher Gelbfieber, Hepatitis (sowohl die A als auch die B aber vielleicht auch doch nur die A, es herrscht da keine Einigkeit bei den Damen und Herren Tropenärzten), Typhus, Tollwut und noch einiges mehr.

Ja, die Welt bietet dem aufmerksamen Reisenden in der Tat einen hübschen bunten Reigen an schwarzmalerischen Infektionen, vor denen sich zu schützen übrigens einen Haufen Geld, unglaubliches Koordinationsvermögen und elendig viel Zeit kostet, aber man will ja nicht so sein. Man kann auch eigentlich gar nicht so sein, außer man glaubt an Impfammenmärchen oder hält sich für Wolverine. Tue ich beides nicht.

Also lasse ich mich munter stechen, damit ich nicht gestochen werde oder vielmehr damit zukünftige Stiche ohne Folgen bleiben. Denn abgesehen von der Tollwut, die eher von Fledermäusen und streunenden Hunden verschenkt wird, ist ja die Mücke der große Gewinner der Überträgerlotterie: Ihr Stich ist das große Los beziehungsweise das Expressticket in den Tod. Schlimmstenfalls.  Da der Mücke muntere Palette aber auch Krankheiten einschließt, gegen die man sich partout nicht impfen lassen kann (Dengue! Malaria! Zika!), sollte man sich zusätzlich noch anders gegen die monströsen Attacken der Blutsauger wehren, zum Beispiel mit Insektenspray und zwar das der harten Sorte. Es sollte, sagt das Infoblatt der Charité, zu mindestens 50% aus Chemie, genauer: aus DEET bestehen. DEET ist ein Lösungsmittel und nicht ganz unumstritten, aber das gilt ja auch für Mohn, insofern ignoriere ich das.

Abgesehen von Spray gibt es übrigens auch Kleidung, die dafür gedacht ist, die Killerinsekten des Amazonas auf Abstand zu halten. Und damit kommen wir an den Punkt, wo ich jüngst in Tränen ausbrach. In Lachtränen, immerhin, aber trotzdem. So hatte ich mir meinen ersten Trip in den Globtrotter nicht vorgestellt. Ich probierte voller Elan und Erwartung diese hochgelobte mückensichere Kleidung und lernte augenblicklich meine Lektion: Funktionskleidung soll funktionieren und zwar eindeutig nicht als modisches Statement. Ganz im Gegenteil, es scheint sogar so eine Art Fashion-Verbot im Outdoor-Bereich zu geben, was ich nicht verstehe, denn es spricht doch nichts dagegen, eine Hose so zu schneidern, das sie auch passt und vielleicht sogar ganz nett aussieht dabei, egal ob sie nun mückensicher ist oder nicht.

Wie beinahe jeder Mensch möchte ich mich im Internet natürlich lieber schön und erfolgreich präsentieren, immer akkurat und gewitzt und als eine, mit der man gern befreundet wäre, auch im tiefsten Dschungel. Aber im Sinne der Aufklärung und des Protests gegen die Funktion und den Einsatz für die Eleganz poste ich nun dennoch ein Bild des Grauens. Empfindliche Modegemüter sollten den Blick lieber abwenden, denn es wird weh tun.

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Ich habe euch gewarnt.

Da aber leider schon die Bisse Brandenburgischer Bremsen bei mir zu straußeneigroßen Beulen und angeschwollenen Fußknöcheln führen, kämpfe ich gerade sehr mit mir: Unsägliche Unattraktivität oder doch lieber ein bisschen Malaria? Alternativ zum Tragen der Horror-Hosen könnte ich auch meine ganz normale Kleidung mit speziellen Sprays imprägnieren, allerdings habe ich nicht mehr viel davon (der Kleidung, nicht den Sprays), weil ich nämlich neuerdings in Minimalismus mache. Doch dazu mehr an einer anderen Stelle, jetzt lieber zurück zu den Dingen die man neben Krankheitsschutz so braucht, wenn man ein halbes Jahr abhaut.

Als da wären: Bankkonto, Handy, Versicherung, Rucksack, Rucksackinhalt und nicht zuletzt einen Plan. Daran mangelt es momentan noch, hauptsächlich weil es einfach so viel gibt was man tun, sich anschauen, erleben könnte und mir alles gleich gut und anziehend und wichtig erscheint und ich dann leider da sitze und völlig gelähmt bin von meinen Optionen. Ein sehr modernes Problem, ich weiß.  Meiner Oma wäre das nicht passiert.

Deshalb nervt es nicht weniger und mittlerweile trotze ich nahezu und sage mir: Scheiß doch auf nen Plan. Einen Plan habe ich schon zuhause, ohne Plan gehe ich ja nicht mal vom Bett ins Badezimmer, es herrscht bei mir nahezu ein Überangebot an Plänen. Da könnte es doch die Befreiung schlechthin sein, wenn ich drüben mal locker mache und mich treiben lasse, ohne exakt zu wissen wann ich wo sein werde und was dann dort passieren wird. Denn das ist ja irgendwo der Sinn der Sache: Eine Auszeit zu nehmen, anders sein zu können: Entspannung und Entdeckung statt Alltag und Arbeit.

Leider stehen die Vorbereitungen dieser Zeit im direkten Gegensatz zu selbiger. Sie verlangen ziemlich viel Fokus und planvolles Denken und da ist auch nix mit einfach mal geschehen lassen, dann geschieht nämlich nix. Und das ist dann wohl eher nicht so gut. Aber was soll’s. Auch das geht vorbei und dann geht es endlich los, das große Abenteuer. Nur zweimal piksen noch.

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