Lasst mich da rein! Warum auch ich bald in den Dschungel ziehe

Dank RTL könnte der Zeitpunkt besser nicht sein um zu verkünden: Auch ich werde demnächst in den Dschungel gehen. Leider (?) nicht ins Camp und nicht nach Australien, dafür aber in eine Stadt, zu der keine Straße führt und das nicht bloß für zwei Wochen sondern für ein ganzes halbes Jahr. 

Fangen wir mit einem kurzen Geständnis an: Wenn man mich fragen würde, ich würde wahrscheinlich laut JA! sagen zum Dschungelcamp, weil ich nämlich unfassbar neugierig bin und herausfinden wollen würde, wie ich mit den Herausforderungen dort umgehen würde. Weniger dem Essen und dem Getier denn mehr den Mitbewohnern, die in vielen Fällen ähhh… anders ticken als ich (mehr wie eine Zeitbombe grenzenloser Einfältigkeit). Andrerseits würde ich wohl eh schnell rausgewählt werden, weil meine Luxusgegenstände “Krieg und Frieden” sowie “Ulysses” wären, also die längsten Bücher die mir spontan einfallen und ich nicht viel anderes täte als faul herumliegen und lesen. Nicht sehr unterhaltsam.

Gott sei Dank bin ich aber nicht einmal Z-Sternchen und kann deshalb andere Dinge im Dschungel tun als den Verfall der intellektuellen Sitten betrauern und stundenlang lesen: Ich kann schreiben. Und genau das werde ich tun.

Die Fakten

Im Oktober diesen Jahres werde ich nämlich meine Koffer packen (wenige, ich hasse Gepäck) und nach Peru fliegen, genauer: nach Iquitos. Iquitos ist eine Stadt am Amazonas, also mitten im Dschungel, die man nur mit dem Schiff oder eben dem Flugzeug erreichen kann. Was nicht bedeutet, dass sie klein ist: Immerhin hat Iquitos geschätzt 400.000 Einwohner, also mehr als das sagenumwobene Bielefeld. Außerdem sind dort immerzu über 30 Grad, was heißt, dass ich den nächsten Berliner Winter einfach schwänzen werde – denn ich bleibe etwas länger.

Genau genommen bleibe ich sechs Monate, so zumindest der Plan. Aber, denn das ist ja das Tolle an so einer Auszeit vom Alltag, nichts ist in Stein gemeißelt: Wenn es mir dort nicht gefällt, dann gehe ich eben woanders hin. Dass ich überhaupt da hin gehe und nicht irgendwo anders hin, habe ich meinem werten Herrn Partner zu verdanken, der schon seit vielen Jahren dort ein größeres Projekt machen will. Als ich also entschied, dass es Zeit ist für eine Auszeit, da stand das Ziel von selbst. Schön, wenn Dinge mal einfach passen.

Warum nur, warum!?

Aber warum überhaupt die Sehnsucht nach etwas Passendem? Bin ich Berlin satt? Nein, ganz und gar nicht! Ich liebe meine Wahlheimat, liebe Spätis rund um die Uhr, liebe vierzehn Sprachen in fünf Minuten, liebe die schräge Kunst, die Rastlosigkeit, den guten Kuchen, ich liebe das Chaos allüberall, ja, sogar jeden Schnorrer in der S-Bahn liebe ich und die abgestellten Möbel am Straßenrand. Ich gehe nicht, weil ich hier nicht glücklich bin, sondern weil ich hier nicht nein sagen kann.

Das müsste ich aber, wenn ich endlich einmal nichts anders tun möchte als schreiben. Ich müsste NEIN zu bezahlter Arbeit sagen, zu Jobs, die ich ja sogar sehr gerne mache, zu Dreh und Schnitt und Projektarbeit. Das schaffe ich hier einfach nicht, das muss ich nicht ausprobieren, um es sicher zu wissen. Wenn ich in Deutschland bleibe, dann bleibe ich in meiner Routine und wenn ich in meiner Routine bleibe, dann wird das Schreiben nie den Raum bekommen, den es ganz sicher verdient.

Es ist nicht so, als hätte ich nicht auch so was geschafft. Ich habe in den letzten anderthalb Jahren ein paar Kurzgeschichten veröffentlicht, zwei Manuskripte geschrieben und einen Agenten gefunden, der an selbige glaubt und mich vertritt. Aber gerade deshalb frage ich mich: Wie viel (oder wie viel besseres) könnte ich schaffen, wenn ich nicht nebenbei (beziehungsweise hauptsächlich) noch arbeiten würde? Wenn ich all meine Energie in das Schreiben stecken könnte – wie gut wäre das?

Vielblättrige Hoffnung und achtbeinige Angst

Schon seit Jahren gibt es da zum Beispiel ein Buch, dass ich unbedingt schreiben möchte. Ich habe es nie angefangen, weil ich genau weiß: Das ist nichts für zwischendurch und das geht nicht nebenbei. Da muss ich versinken, da muss ich dranbleiben, da muss ich vollauf für jeden Satz da sein, für jeden Buchstaben. Dieses Buch will ich im Dschungel schreiben.

Natürlich befürchte ich, dass das gar nicht geht: Das der richtige Zeitpunkt für diese spezielle Geschichte schon verstrichen ist, dass die Atmosphäre dort dafür nicht stimmt, dass ich feststellen musst: Eigentlich taugt die Idee nicht die Bohne. Das würde mich traurig machen, denn wer weiß wie viele Gelegenheiten so frei zu sein im Leben noch kommen werden. Dennoch habe ich gar nicht so viel Angst davor, denn ich bin sicher, wenn das nicht geht, dann geht etwas anderes: Geschichten, von denen ich jetzt nicht mal ahne, dass ich sie schreiben könnte.

Angst machen mir ganz andere Dinge, sie haben acht Beine und werden im Dschungel entschieden zu groß für meinen Geschmack. Gut, dass es Spinnentherapie gibt, ich werde wohl eine machen müssen, sonst bleibe ich doch noch in Friedrichshain sitzen. Ansonsten bin ich erstaunlich angstfrei. Fremde Sprache, fremde Welt, fremdes Leben? Erfrischend und aufregend! Frühling 2018, wenn wir zurückkommen und arbeitslos sind? Wird sich schon was finden! Dauerhitze und Regenzeit? Besser als Frost und Minustemperaturen.

Ein Eichhörnchen im Dschungelfieber

Blöd ist nur, dass das alles so furchtbar weit weg ist. Ich meine: Oktober! Das sind gefühlte Jahrhunderte. Das alles wirkt noch sehr surreal, sehr utopisch, sehr ausgedacht. Ich versichere euch, das ist es nicht. Es ist ein konkreter Plan mit konkreten Daten. Nur, dass alle bedeutsamen Schritte noch sooooo weit in der Zukunft liegen: Die Tickets zum Beispiel, lassen sich erst ein Jahr im Voraus buchen, der Rückflug liegt aber im März, also heißt es leider warten.

Nun warte ich nur äußerst ungern (ich habe schon die schönsten Kleidungsstücke zurückgehängt weil mir die Kassenschlange zu lang war), kann aber leider nicht viel anderes tun als genau das – das Geld für so ein halbes Jahr muss ja nun auch erst mal erarbeitet werden (oder gestohlen, aber ich bin zu nervös für einen Banküberfall). Was ich aber tun kann, ist das Warten anzureichern, mit Konkretisierungen nämlich, mit kleinen Dingen, die das Ganze greifbarer machen. Wie das sprichwörtliche Eichhörnchen, das langsam aber stetig nicht Nüsse sammelt, sondern Schritte macht: Schritte in die Zukunft.

Dieser Artikel ist ein solcher Mini-Schritt, außerdem die Tatsache, dass ich heute eine Spanisch-Schnupperstunde habe und gerade die Hälfte meiner Besitztümer verschenke oder verkaufe. Ein zweiter, englischsprachiger Blog zusammen mit besagtem Herrn Partner wird ein weiterer sein, genauso die Suche nach der perfekten Kreditkarte, die Klärung von Visums-Fragen und ganz allgemein die Recherche. Und da (hier schließt sich der Kreis!) hätte ich doch dieses Jahr tatsächlich mal ein gutes Argument, um das Dschungelcamp zu gucken. Und sei es nur als Anleitung, wie man es besser nicht macht.

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