Nachhaltige Vorsätze

Ich bin nicht besonders traditionell. Ich schmücke nicht zu Weihnachten, ich feiere weder Geburtstag noch Sylvester und heiraten möchte ich bitteschön auch nicht. Noch etwas das mir bisher höchstens ein Augenrollen entlockt hat: Die guten Vorsätze pünktlich zum Januar.

Dennoch habe ich am Ende des Jahres  regelmäßig das Gefühl ich hätte nicht genug geschafft oder die Zeit zumindest verschwendet; die falschen Dinge getan, die richtigen Gelegenheiten verpasst, Prioritäten vergessen, verwechselt oder gar nicht erst gesetzt. Das ist eine sehr subjektive Sichtweise. Aber trotz der postfaktischen Realität in der wir leben, bin und bleibe ich ein Fan des Objektiven. Deshalb dachte ich mir, ich könnte es ja doch einmal mal versuchen mit den traditionellen guten Vorsätzen für das neue Jahr. Denn wie besser beurteilen, ob das Gefühl der Jahresendenttäuschung angemessen ist oder nicht, als anhand von nachprüfbaren Zielen?

Allerdings stieß ich dabei auf ein Problem: Dass es nämlich gar nicht diese konkreten, fassbaren Ziele sind, die ich mir setzen will. Was ich gerne angehen möchte sind Dinge, deren Natur grundsätzlicher ist. Zum Beispiel:

1. Mehr Haltung

Ich habe einmal (ich neige dazu, das völlig zu vergessen) einen exzellenten Abschluss in Politikwissenschaft gemacht. In der Zeit meines Studiums und auch danach noch war ich nicht allein sachlich-distanziert an Politik und Gesellschaft interessiert sondern auch emotional-direkt. Das ist über die Jahre anderes geworden, ich weiß nicht genau warum. Oft ziehe ich den lieben Frieden dem Konflikt vor. Aber der liebe Frieden ist nicht mehr und die Zeiten in denen wir leben erfordern es, den Mund aufzumachen. Auch hier, auch von mir. Zu den großen Dingen und den kleinen, laut, deutlich und regelmäßig.

2. Weniger Distanz

Ich denke oft, dass ich im Herzen ein Einsiedler bin (maximal ein Zweisiedler). Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das wahr ist, aber eines ist es auf jeden Fall: Total egal. Denn wenn ich Geschichten erzählen will (fiktive genauso wie reale), dann sollte ich sie auch erleben, als Inspiration, als Quelle, aber auch schlichtweg, um mir eine Offenheit zu bewahren, die sonst leider allzu leicht abhanden kommt. Sich räumlich, emotional und geistig zu distanzieren (von Personen genauso wie von Ereignissen) sei es aus Angst oder aus Arroganz, das führt nun wirklich zu nichts (außer zu Langweile und Einseitigkeit).

3. Mehr Dreistigkeit

Ich neige dazu, mich zu entschuldigen, wenn mir jemand auf den Fuß tritt. Das mag aus einer gewissen Perspektive betrachtet ausgesprochen höflich sein, es ist aber auch extrem hinderlich, zum Beispiel für die Sache mit der Haltung. Außerdem stehe ich mir ständige selbst im Weg, wenn ich mich nicht traue, Dinge zu tun, mit Menschen zu sprechen oder Meinungen zu äußern. Wenn ich also schreibe: Mehr Dreistigkeit, dann meine ich damit weniger, dass ich es demnächst selbst sein werde, der anderen auf den Fuß tritt, sondern eher, dass ich mal darauf aufmerksam mache, dass ich überhaupt Füße habe und zwar welche, die interessante Schritte machen. Zumindest hin und wieder.

Den Erfolgsgrad dieser Vorhaben alles objektiv zu messen wird nicht immer einfach sein. Vielleicht ist es unmöglich. Aber in gewisser Weise geht es darum auch schon gar nicht mehr. Stattdessen geht es darum, das, was einem gegeben ist, maximal zu nutzen. Für sich selbst – und für andere.

3 Kommentare

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  1. Ich bin kein Mensch, der sich Vorsätze macht, aber mit dem letzten Punkt gehe ich d’accord. Wenn ich an etwas dieses Jahr arbeiten würde, dann daran…

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