Alles sagen oder für immer schweigen

Zwei Monate habe ich hier nicht geschrieben sagt WordPress und WordPress muss es ja wissen, im Gegensatz zu mir kennt WordPress sich mit Statistiken nämlich aus. Was WordPress nicht wissen muss, ich dagegen schon, ist der Grund für diese lange Zeit der Stille. Und in der Tat, ich weiß Bescheid, besser vielleicht als mir lieb ist; ich war nicht etwa zu beschäftigt oder zu faul oder zu wenig inspiriert oder zu abgelenkt. Nein, ich war einfach zu feige.

Denn so lustig verplaudert ich hier auch oft daher kommen mag und so wenig wichtig das meiste letztendlich ist was ich von mir erzähle, so ehrlich bin ich doch bisher gewesen und so ehrlich möchte ich auch in Zukunft sein. Was aber heißt das, wenn die Dinge, die mich beschäftigen, eines Tages vielleicht unvorteilhaft für mich sein könnten? Wenn meine Zweifel besser nicht verschriftlicht sein sollten, meine Ängste nicht bloßgestellt? Wie offen kann man sein, wenn man irgendwann vielleicht einmal öffentlich ist? Und sei es auch nur im kleinsten Rahmen?

Keine Sorge, ich leide nicht an Größenwahn; ich bin mir bewusst, dass ich meilenweit davon entfernt bin, im Zugzwang zu sein, schließlich sind weder alle Augen auf mich gerichtet noch schicke Kameras oder obskure Google-Alerts. Ich muss nicht plötzlich imagebewusst werden, nur weil ich jetzt einen Agenten habe oder mehr Leser oder weil ich persönliche E-Mails von Fremden bekomme oder hin und wieder mal ein Text von mir gedruckt wird. Das weiß ich.

Trotzdem fühlt es sich so an, als müsste ich langsam anfangen, genau zu überlegen, was ich wann schreibe und wie ich das tue. Als wäre es plötzlich wichtig, wie ich mich nach Außen präsentiere und welche Folgen das haben könnte was ich sage und aufschreibe. Als wäre jede klare Äußerung mit einem Mal eine Gefahr, die es abzuwenden gilt. Mir ist, als könnte ich nicht einfach frei Schnauze rausposaunen, was ich denke und finde, sondern als müsste ich ganz genau überprüfen, welche Vorteile und Nachteile es hat, über dieses und jenes zu schreiben.

Aber ich will das nicht. Ich will nicht verschweigen, wenn ich meine Projekte anzweifle, mein eigenes Manuskript peinlich finde, meinen Weg oder meine Wahrheit nicht finden kann. Ich will nicht so tun, als wäre ich jeder Entscheidung sicher, die ich getroffen habe oder noch treffen muss, als wüsste ich genau, wo ich hin will, als stünde ich hinter allem, immerzu. Ich will nicht vorspielen, jemand zu sein, der ich vielleicht sein will, aber gar nicht bin oder acht geben auf jedes Wort das ich tippe. Das ist mir zu mühsam und es liegt mir nicht – ich würde mich in den Details verheddern und mich selbst aus den Augen verlieren. Dabei ist es doch so schon schwer genug, sich zu erkennen.

Letzten Endes geht es einfach darum wer und was ich sein möchte: Ein kuratiertes Ergebnis oder ein ungefilterter Prozess. Aber eigentlich ist diese Entscheidung wohl in dem Moment gefallen, als ich auf Veröffentlichen gedrückt habe. Fortsetzung folgt also – alle peinlichen Details inklusive.

 

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