Leicht machen leicht gemacht

Ich erwähnte ja bereits, dass ich neuerdings erstaunlich viel Zeit mit dem Controller in der Hand vor der heimischen Leinwand verbringe. Computerspielen halten manche Menschen bekanntermaßen für widerliche Zeitverschwendung, aber dem kann ich nur vehement widersprechen. Denn ich persönlich habe im virtuellen Dasein nicht nur sinnlos Stunden totgeschlagen, sondern etwas sehr Wertvolles über das reale Leben gelernt.

Und das kam so: Als ich mit dem Survival-Game ARK angefangen habe, (geht in etwa so: man wacht auf einer Insel voller Dinosaurier auf, hat nix, baut sich auf was und wie man will), war mein erstes Etappen-Ziel schnell klar: Ein Bett mit einem Dach drüber, das braucht man nämlich damit man nicht nach jedem Tod willkürlich irgendwo aufwacht, sondern eben genau dort: zu Hause. Also habe ich mir schnellstmöglich eine schöne Hütte gebaut, aus Stroh, das war leicht zusammengesammelt und sah auch gar nicht schlecht aus. Ich freute mich sehr, zimmerte, baute und pflanzte vor mich hin und fühlte mich insgesamt sehr wohl.

playDann entschied mein Computer, dass bei mir eindeutig zu wenig Action geht und setzte mir ein fieses Krokodil vor die Tür. Mehrfach versuchte ich das Ding zu erlegen, mehrfach erlag stattdessen ich, nämlich meinen diversen Bisswunden. Ich entschied schließlich, dauerhaft umzuziehen. Beim nächsten Haus setzte ich auf Holz, das ist robuster. Ich malte es bunt an, begann wieder mit dem Gärtnern und außerdem mit der Dodo-Zucht. Ich war glücklich. Dann kam der verdammte Carontaurus. Und ich stand vor einer unerwünschten Entscheidung: Andauernd sterben und frustriert sein, ein zweites Mal umziehen und auch frustriert sein oder aber … dreist an den Spiel-Einstellungen schrauben und glücklich bleiben.

Zunächst erschrak ich über diesen Gedanken und fragte mich: Darf man das? Darf man einfach einstellen, dass Dino-Attacken nicht so schnell zum Tode führen, dass die eigenen Wunden schneller heilen oder man stärker zuschlägt? Oder zusammengefasst: Darf man es sich einfach einfachmachen? Ich hatte keine Antwort, aber einen Plan: Ich würde es tun. Einfach so.

Am Anfang fühlte ich mich ziemlich schlecht. Ich hatte geschummelt! Ich hatte es mir – um Gottes Willen – leicht gemacht! Ich verdiente es nicht, überhaupt hier zu sitzen! Die ersten Male, die ich nicht verreckte, hatte ich ein furchtbar schlechtes Gewissen – hätte ich nicht gerechterweise an dieser Stelle sterben und wieder von vorn anfangen müssen? Hätte ich auch überlebt ohne zu fudeln?

Aber dann, als ich dauerhafte eine Chance hatte gegen die Mistviecher in meinem Vorgarten und so endlich einmal dazu kam, ein paar Möhrchen und Kartoffeln hochzuziehen, als ich auf einmal nicht immer schon am Waldrand umkam und deshalb die Wunder des Binnenlands entdecken konnte, als ich mich mit den Dingen beschäftigen konnte, die mich wirklich interessierten statt mit Waffengefuchtel, da erkannte ich, wie viel mehr Spaß mir das Spielen plötzlich machte. Und darum geht es (mir) schließlich beim Computer-Spielen; ums Vergnügen. Schweißgebadete Anstrengung, verkrampfte Finger, ein trockener Mund und Frustrations-Geheule gehören definitiv nicht dazu.

Und was vor dem Bildschirm gilt, gilt erst Recht im Leben: Ich darf es mir leicht machen, wenigstens da, wo es mir um pure Freude und nichts weiter geht. Niemand muss sich zwingen, Veranstaltungen zu besuchen, die er langweilig findet oder Freundschaften zu pflegen, in denen er sich nicht wohlfühlt. Oder einen Sport zu machen, den er hasst. Alles Dinge übrigens, die ich durchaus schon getan habe. Weil ich ich mache es mir leicht mit ich vertue mein Recht auf Spaß verwechselt habe. Als wäre Freude wirklich ausschließlich dann etwas wert, wenn man sie sich hart und bitter erarbeitet hat.

Aber das ist Quatsch und wenn es um meine Freizeit geht, dann werde ich eines ganz sicher nicht mehr tun: Mich zum Durchhalten zwingen. Lieber fummle ich ein bisschen an meinen Grundeinstellungen.

3 Kommentare

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  1. „Fudeln“ verrät die Düsseldorferin!

  2. Sehr schöne Erkenntnis. Ich bin da in Games auch ganz rigoros… wenn mir was den Spielspaß vermiest wird zur Not auch gecheated da hab ich keine Hemmungen. Schöner Gedanke das auch aufs RL zu übertragen. Like!

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