Das Buch zum Sonntag: Cryptonomicon

one

Neal Stephenson – Cryptonomicon

Worum geht es?

Puh. Viel. Sehr, sehr viel. Zum Beispiel: U-Boote, Gold, Codes, Morphium, Kryptographie, Orgeln, Konferenzen, Bergbau, die Philippinen, Blechtly Park, Schweden, Seekabel, Verschwörungen, Schatzsuche, Phreaking. Und so weiter. Die Liste ist endlos.

Erzählt zu verschiedenen Zeiten aus verschiedenen Blickwinkeln in verschiedenen Tonfällen: Ein dichtgewebtes, detailbesessenes Monstrum an Buch, voller Geschichten, Ideen, Vermutungen, Anekdoten, Abschweifungen, Historie und Fiktion. Das soll mal einer vernünftig zusammenfassen … Ich zitiere hierzu – ausnahmsweise – Wikipedia:

„(Anm.: Im Folgenden wird versucht, die Haupthandlung nach Handlungssträngen getrennt zu skizzieren. Viele Nebenhandlungen müssen dabei außer acht gelassen werden, und die Feinheiten der ineinandergreifenden Handlungsstränge gehen dabei verloren.)“


 Wie war es?

TOLL: Die letzten 850 Seiten, da war ich voll drin. Einzelne Abschweifungen sind unendlich unterhaltsam, die geschichtlichen Details sehr interessant, die humoristischen Passagen göttlich trocken.

WENIGER TOLL: Die ersten 350 Seiten, so lange brauchte ich um reinzukommen. Einige Abschweifungen sind langatmig, die mathematischen Abrisse sehr komplex, die Anflüge von Ernsthaftigkeit manchmal bieder.


 Was hat’s gebracht?

Das stolze Gefühl, einen anspruchsvollen Wälzer geschafft zu haben – und es hat nicht einmal weh getan!


 Und sonst so?

Es gibt noch mehr von Neal Stephenson, das toll ist. Snow Crash zum Beispiel ist eine einzigartige Zukunftserzählung über virtuelle Welten, Sprache, Viren und Information mit dem best-benannten Held der Welt: Hiro Protagonist. Das Buch übrigens, das den Begriff Avatar geprägt hat. Viele ähnliche Themen, anders verarbeitet und häufiger aus weiblicher Perspektive gibt es in Diamond Age. Ganz anders, weil nicht fiktional, aber unglaublich leseneswert: In the beginning was the command line, ein Essay über Microsoft, Apple und freie Anbieter, den man hier komplett herunterladen kann.

Diese (frühen) Werke sind ebenfalls keine superleichte Kost, aber in vielerlei Hinsicht zugänglicher – und deutlich kürzer.


 Fazit (Nicht unbedingt nur zum Buch)

850 von 1100 Seiten. Ich habe das Cryptonomicon hauptsächlich deshalb gelesen, weil mir mein Freund seit zwei Jahren damit in den Ohren liegt, dass ich es doch endlich mal versuchen sollte. Und auch wenn es anfangs nicht leicht war: Es hat sich gelohnt. So wie damals im Grundstudium, als ich Die Brüder Karamasow lesen musste und völlig überrascht feststellen musste, dass ich Dostojewski richtig geil finde. Man sollte wirklich öfter einmal zu Büchern greifen, von denen man meint, man interessiere sich nicht dafür – das kann wahnsinnig schön sein.

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