Dafür stehe ich mit meinem Namen

Alles Ich
Ausgewiesene Stadien des Ichs. Zum Teil mit Stempel.

Pseudonym oder Klarname, ein witziger Titel oder doch lieber das SEO-optimierte Wunderwerk? Obwohl mein Blog organisch (sprich: chaotisch) entstanden ist, habe auch ich mich zu Beginn gefragt, wie das Kind denn nun eigentlich heißen soll. Für einen erfundenen Titel sprach, dass dieser den Inhalt widerspiegeln kann, außerdem leichter zu merken ist und anziehender wirkt als ein schnöder Telefonbucheintrag. Trotzdem habe ich lieber meinen eigenen Namen gewählt. Nicht, weil ich es feige oder inkonsequent finde, anonym bleiben zu wollen, sondern weil ich mich ganz entschieden zu mir selbst bekennen will – und zwar gleich in der Adresszeile.

Immer ist früher Schuld

Das hat nicht etwa damit zu tun, dass es hier vornehmlich um mich und meine Meinung geht. Es ist vielmehr die Folge einer Jugend, in der es mir schwer gefallen ist, zu dem zu stehen was ich bin. Ich hätte damals nämlich sehr gern in Gruppen gepasst. Normal für das Alter, aber in meinem Fall leider nicht ohne Anpassungen machbar. Oder zumindest glaubte ich das. Also habe ich im Umgang mit Anderen nicht selten ein paar Aspekte meiner Persönlichkeit unter den Tisch fallen lassen.

In einer Art vorauseilendem Gehorsam verbarg ich zum Beispiel häufig diejenigen meiner Wesenszüge, die mich zu sehr als Nerd hätten erscheinen lassen können – was vor zehn, fünfzehn Jahren wirklich noch einen anderen, weniger coolen Beiklang hatte, als das heute der Fall ist. Mir fehlte es damals jedoch schlichtweg an Selbstbewusstsein, um überall laut herauszuposaunen, dass ich Parties doof und Bücher besser finde, lieber obskure Filme und Dokus auf ARTE gucke als Daily Soaps und wirklich, wirklich nicht die Cosmopolitan lesen möchte. Wirklich nicht.

Und heute? Ja, heute! Heute ist natürlich alles anders.

Das stimmt sogar. Klar, manchmal verstelle ich mich aus Höflichkeit oder weil ich sonst unnötige Schwierigkeiten bekäme, die die Sache nicht wert sind. Aber gegenüber meinen Freunden mache ich das nie. Und hier, hier will ich es auch nicht tun. Schließlich brauche ich mir selbst gegenüber keine Galanterie, ein Auftraggeber steht ebenfalls nicht hinter meinen Worten und was die Anerkennung angeht um die es früher ja im Grunde ging, so will ich diese nur noch für Sachen, hinter denen ich auch wirklich stehe.

Hinter meinem Blog stehe ich. Sonst bräuchte ich ihn gar nicht erst schreiben. Nun ist es ja nun auch nicht so, als sei ich besonders kontrovers in meiner Meinung oder als provozierte ich mit meinen Gedanken ein entrüstetet Echo. Schade eigentlich, denke ich manchmal, aber das ist ein anderes Thema. So oder so bin ich froh, mich bei der Blog-Benennung für meinen Namen entschieden zu haben. Ein Symbol, dass mich schon beim Tippen daran erinnert, mir selbst treu zu bleiben.

Was sich nie ändert – oder immer wieder

Gibt es Geschichten, die ich nicht veröffentliche, weil mein Name über den Dingen steht? Ja. Schlicht und ergreifend. Es gibt Anekdoten, Gedanken und Erzählungen, die ich vor allem deshalb nicht teile, weil sie dann untrennbar mit meinem Namen verbunden sind. Wird das für immer so bleiben? Vielleicht. Vielleicht aber ist auch das eines Tages Geschichte, so wie mein Wunsch der Gruppenzugehörigkeit. Ich denke zumindest viel darauf herum, wo eigentlich die Grenze der Offenheit ist. Mehr dazu ein anderes Mal. Ganz bald – und natürlich unter meinem Namen.

3 Kommentare

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  1. Sehr bewegend. Zum Nachdenken anregend. Selbstbewusstsein im Sinne von sich seiner Selbst wirklich bewusst zu sein und für sich einstehen ist eine Eigenschaft, die leider vielen fehlt.

  2. Sehe ich ganz genau so. Ich hätte mich auch „Rosa Pony-Elfe“ nennen können. Aber warum? Ich bin -so wie du- auf meiner Internetpräsenz digital zu Hause. Also willkommen in meinem Wohnzimmer. Und auf der Klingel, ja da steht mein echter analoger Name.

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