Gemischte Gefühle


Ich habe ein Problem. Kein großes, aber ein ständiges: Ich bin zweigeteilt. Nicht etwa zerrissen, gespalten oder hin und her (Gott lobe das allmächtige Synonym-Wörterbuch!), sondern schlichtweg gemacht aus zwei Teilen. Zwei Teile, die leider nicht immer so recht zusammenpassen.

Das hier zum Beispiel mache ich eigentlich unglaublich gerne: Das lockere, manchmal reflektierende, manchmal ziemlich sinnlose Festhalten von Gedanken, ohne große Ansprüche oder weitreichende Ziele, zu meinem eigenen Spaß und hoffentlich auch zum Vergnügen des ein oder anderen Lesenden. Und dann eines Tages, ohne dass ich sagen könnte warum, habe ich keine Lust mehr. Mir wird alles zu viel, jedes Wort. Mich nervt die ganze Idee: Einen Blog zu schreiben. Also höre ich auf, für kurze Zeit oder für längere und meistens entgegen dem Schwur, treu und stetig etwas zu veröffentlichen.

Und was hier gilt, gilt auch woanders. Eigentlich mag ich es, ein Mensch unter Menschen zu sein, Kontakte zu pflegen, enge und lockere, mich unter Kreative zu mischen, unter Freunde und Fremde und ich genieße es, auf diese Art in einer spannenden, äußeren Welt zu sein. Bis auf einmal der Moment kommt, in dem das alles aufhört. Dann will ich plötzlich allein sein, mit Büchern und Filmen, aber ohne Telefon und Internet, ohne Pflicht, ohne Kontakt, ohne Außen. Wo ich eben noch aktiv und offen war, bin ich plötzlich völlig eingeschlossen: In mir selbst. Nun kann ich mich im Leben schlechterdings so konsequent zurückziehen wie hier, aber das Bedürfnis ist trotzdem da. Immer wieder.

Vielleicht ist das ganz in Ordnung so. Vielleicht macht es nichts, wenn ich zwischendurch schweige – es gibt schließlich genug andere, die derweil weiterreden. Aber dennoch wünschte ich mir manchmal, ich bräuchte diese Pausen nicht oder ich wüsste zumindest besser, warum sie so plötzlich notwendig werden. Manchmal glaube ich, es ist die pure Unsicherheit, der Zweifel, der nagt und sagt: Eigentlich gehörst du nicht dazu. Nicht hierhin. Dann wieder denke ich, dass das Bedürfnis nach Ruhe einfach ein Teil meiner Persönlichkeit ist und nichts, dass mir Sorgen machen müsste. Keine Ahnung was davon zutrifft. Oder ob das wirklich wichtig ist. Aber ich dachte mir, ich halte es einfach einmal fest – entgegen meinem langen Schweigen.

8 Kommentare

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  1. Hat dies auf tastenqual rebloggt und kommentierte:
    … ohne (zusätzliche, weil nicht notwendige) Worte …

  2. ob das OK ist … kann ich nicht beurteilen … was ich sagen kann … ist … dass es mir exakt genau so geht …

    die leute … für die das nicht OK ist … werden uns wohl nie wirklich ans herz wachsen …

    damit werden sie leben …

    wir aber auch …

  3. Das kenne ich gut. Es den Menschen zu erklären, ist aber verdammt schwer. Ich weiß, dass sich abzuschotten auch nicht immer gesund ist, aber man hat es hin und wieder nötig. Das sich wieder einfinden ist am schwersten. Wie erklärt man seinem Gegenüber, dass es nicht an ihm lag, sondern man nur gerade mit sich Selbst allein schon ausgelastet genug war?

    • Ich glaube wie immer und überall: Offen und ehrlich. Und diejenigen, die einem wirklich wertvoll sind, die sollten das auch verstehen können … wobei du Recht hast: das Zurückfinden ist manchmal gar nicht so leicht. Aber umso schöner ist es, wenn man dann doch wieder ankommt :-)

  4. Es gibt eine alte Weisheit von Herbert Werner: Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen.
    Mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen ;-)

  5. Es ist OK. Sehr sogar.

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