Zeigefreude

FudgeNein, ich schreibe jetzt nicht über das Fotografieren, ich hatte nur kein besseres Bild zur Hand. Und trotz Titel geht es auch nicht um nackte Haut. Eigentlich schade, denn das würde sicher vielen Menschen ausgesprochenes Vergnügen bereiten. Es scheint mir jedenfalls so, als hätten Blogs mit G-Punkt-Geschichten und Sexstatistiken ziemlich viele Besucher, noch dazu sehr engagierte. Kompliment. Mir persönlich fehlt es für einen ausgemachten Sex-Blog allerdings entschieden an Zeigefreude.

Doch nun gibt es Zeigefreude ja auch in einer (meistens) gänzlich unerotischen Welt, nämlich der Arbeitswelt. Nur, dass sie sich da eben Netzwerken nennt. Leider bin ich aber oft zu schüchtern, um fröhlich auf Menschen zuzugehen, außerdem fühle ich mich unwohl dabei, gegenüber Fremden zu viel über mich zu reden und habe Angst, dass ich zu unkonzentriert bin, deshalb irgendwas wichtiges verpasse und am Ende als Depp haften bleibe statt als aufstrebendes Talent.

Wenn ich als Journalistin ein Mikro in der Hand habe oder einen Rechercheauftrag in der Tasche, dann spielt das alles keine Rolle mehr. Dann bin ich durch meinen Beruf quasi legitimiert und alles ist fein. Das habe ich auch gestern beim Pup ’n‘ Pup (einer Art Meet-Up für Leute aus dem Literaturbetrieb) erzählt. Allerdings nur in kleiner Runde mit den netten Kontakten, die ich ja sowieso schon kannte. Kontakte, die mich dann liebenswürdig darauf aufmerksam machten, dass ich mich in diesem Blog offiziell als Schriftstellerin bezeichnet habe. Und dass das damit ja schließlich jetzt auch mein Beruf sei und somit Rechtfertigung genug für das Netzwerken.

Da fiel mir dann leider auch keine andere Antwort zu ein als: Ja, stimmt. Folglich habe ich mich mutig in die Menge gestürzt, gewillt mir und dieser Netzwerk-Sache noch eine Chance zu geben. Folgendes habe ich dabei gelernt:

1. Es herrscht freie Themenwahl

Das Wetter, ein aufgefangener Gesprächsfetzen, die Frage nach der Biermarke oder ganz simpel: Ich stelle mich mal kurz dazu wenn ich darf. Alles okay, um den Erstkontakt herzustellen. Rein kommt man tatsächlich irgendwie immer (raus manchmal nicht so gut, aber das ist eine andere Geschichte).

2. Schnell vorstellen

Beim ersten Versuch parlierte ich zwar über Guiness und Irland, nannte aber weder meinen Namen noch fragte ich nach dem des Gegenübers. Ein Kardinalsfehler. Egal womit man einsteigt, man sollte recht schnell die angemessenen Höflichkeiten austauschen. Denn Anekdoten sind doch viel schöner, wenn man weiß von wem sie kommen und was dieser Mensch eigentlich sonst noch so alles macht. Außerdem ist es ansonsten auch kein Netzwerken.

3. Nicht nur an den eigenen Vorteil denken

Trotzdem komme ich persönlich beim Netzwerken nicht weiter, wenn ich nur an das Berufliche denke, beziehungsweise daran, was mir wer wie wann bringen könnte. Von sowas bekomme ich erstens miese Laune und zweitens ein schlechtes Gewissen. Und auch wenn beides etwas übertrieben ist, stelle ich mir gern vor, Netzwerken wäre etwas eher Privates, bei dem es trotz aller Titel und Funktionen am Ende um den Menschen dahinter geht.

4. Gesprächspausen töten nicht

Wenn einem mal die Worte fehlen, ist das gar nicht so schlimm. Dann nippt man halt an seiner Weinschorle und lächelt und während man das macht, fällt einem schon irgendwas ein, was man als nächstes sagen könnte. Und wenn nicht, mein Gott. Die Welt geht ja so schnell nicht unter.

Insgesamt bin ich recht glücklich, dass meine guten Freunde und Bekannten auf dem Netzwerken für Anfänger bestanden haben. Eigentlich hat’s nämlich Spaß gemacht. Und das, was ich in der Theorie am schwierigsten fand – nämlich einen Einstieg finden – hat sich in der Praxis als ziemlich leicht entpuppt. Es gibt tatsächlich eine ganze Menge Eisbrecher. Und wenn wirklich partout nichts in den Kopf kommen will, bleibt ja immer noch eins: Macht euch nackig! Das hilft ja anscheinend auch beim bloggen.

4 Kommentare

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  1. Noch mehr Shades of Übergrau ertragen wir sowieso nicht! 😩

  2. Es gibt ja auch schon „Sichtbarkeitscoaches“…

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