Warum ich nicht zum Trend-Berliner tauge

Leider gab's nur Foto statt Eis.
Leider gab’s nur Foto statt Eis.

Eigentlich wollte ich heute auf den Ice Cream Market. Schon vor Wochen hatte ich bei Stil in Berlin darüber gelesen und mich gleich ganz glücklich bei Facebook angemeldet. Die Vorfreude war groß und als es dann endlich so weit war, bin ich gegen 12 Uhr 30 munter und gut gelaunt auf das RAW-Gelände spaziert. Und um 12 Uhr 33 auch gleich wieder runter. Denn so leid es mir tut: Für gewisse Berlin-Vergnügen bin ich einfach nicht gemacht.

1. Bei Menschenmassen laufe ich davon

Der eigentlich so schöne Ice Cream Market war nämlich weiß Gott nicht meine erste Menschenflucht. Am 1.Mai zum Beispiel war ich am Kotti verabredet. Ich hätte wissen sollen, dass das jetzt für jemanden wie mich nicht unbedingt die beste Idee ist, aber mein Gott. YOLO und so. Also quälte ich mich in die U-Bahn, erstickte dabei fast, schob mich endlich bis auf die Straße und wurde dort von Grölen, Bässen und schubsenden Menschen empfangen. Meine Freunde waren gerade irgendwo anders unterwegs, ich sofort völlig orientierungslos und alle anderen zu hip und happy um drauf zu achten wohin sie wen schoben und warum eigentlich. Kurz versuchte ich mich zusammenzureißen. Aber dann habe ich lieber geheult und mir ein Taxi nach Hause genommen. 

2. Partys langweilen mich

Vor allem, wenn sie in Clubs oder ganz furchtbar angesagt sind. Kurz nachdem ich nach Berlin gezogen bin, war ich tatsächlich mal im Berghain. Ich bin dann allerdings auch ziemlich schnell wieder raus und zwar diesmal nicht weil mir da zu viel los war, sondern eher aus einer gewissen Langeweile. Das liegt sicher auch daran, dass ich Reden viel interessanter finde als Tanzen und lieber Wein zu mir nehme als Koks. Einen Abend mit guten Freunden auf meinem Balkon ziehe ich einer nächtelangen Party mit Fremden (oder auch Bekannten) jederzeit vor.

3. Pop-Up-Stores machen mir Angst

Das Konzept finde ich eigentlich prima, aber leider bekomme ich es in der Praxis nicht wirklich hin, einen Store aufzusuchen, der nur ein paar Tage da ist. Außerdem schüchtert mich das Ganze irgendwie ein. Das ist alles so furchtbar cool und trendy, dass ich mich wieder fühle wie mit 16, als ich dick war, grüne Haare hatte und zerrissene Röcke über der Jeans trug. Auch wenn ich heute viel gelassener und entspannter bin als damals (und auch weniger Schichten Kleidung trage), fühle ich mich immer noch latent unwohl in einer Gesellschaft, die immerzu den Eindruck erweckt, geschmacksmäßig nie daneben zu liegen.

4. Ich mag die Vice nicht besonders

Das ist jetzt nicht Berlin-spezifisch und irgendwie hat es auch mit Trends nur wenig zu tun, aber ich habe das Bedürfnis es loszuwerden: Ich ärgere mich ziemlich oft bei der Vice-Lektüre, vor allem bei den Sex-Artikeln. Denn die sind leider oft genauso klischeebesetzt wie die Kommentare von spießigen Kleinstädtern zum selben Thema. Nur halt von der anderen Seite kommend. Aber ganz ehrlich: Muschi und Schwanz schreiben macht noch keine Revolution. Natürlich gibt es hin und wieder auch Artikel die ich gut finde, zum Beispiel diesen hier (und das nicht nur, weil die Verfasserin zufällig den gleichen Vornamen hat) oder diesen. Aber bei letzterem kenne ich natürlich auch die Autorin und komme selbst drin vor (wenn auch namenlos), deshalb zählt das eventuell nur halb.

Manchmal finde ich es übrigens auch ein bisschen schade, dass es so viele Dinge gibt, die mich davon abhalten, Berlin in allen Zügen und Facetten zu genießen. Andererseits ist das ja gerade das schöne an dieser meiner Stadt: Dass es für jeden etwas zu tun und zu entdecken gibt. Auch für Trend-Fremdler wie mich.

5 Kommentare

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  1. Trend-Berliner? Wer will denn so etwas werden?
    Ich bin froh, weit genug von der Stadt weg zu sein ;)

  2. Ich bin Urberlinerin und liebe meine Stadt. Aber Trends machen diese Stadt nicht aus, sie sind ein nur kleiner Bestandteil :-)

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