Die Lösung für absolut alles

Australien JVC_Fotor

Am Wochenende habe ich die Lösung gefunden. Die Lösung für absolut alles. Diese Lösung heißt Improvisations-Theater. Also Improvisations-Theater nicht zum zugucken, sondern zum selbermachen. Zum Schnupperkurs der Gorillas bin ich eigentlich nur gegangen, weil ich gern Whose Line Is It Anyway gucke, bei guter Laune sowieso gerne spontan losreime und insgesamt dachte, es könne ja nicht schaden, das Ganze mal in einem professionellen Rahmen auszuprobieren. Ich hatte Lust auf die zwei Tage, aber keine großen Erwartungen an das Ergebnis, eigentlich immer eine gute Voraussetzung, um viel Spaß zu haben.

Den hatte ich auch, sogar tonnenweise. Aber Vergnügen war eben nicht alles, was ich hatte. Ich hatte auch Gelegenheit, einiges für’s Leben zu lernen, Lektionen von denen ich nicht einmal wusste, wie nötig ich sie eigentlich hatte. Zum Beispiel diese hier:

1. Scheitern bringt dich nicht um

Wissen wir ja alle. Theoretisch. Trotzdem ist scheitern meist schmerzhaft. Es ist peinlich oder traurig oder unangenehm oder macht uns wütend. Es zeigt uns, dass wir verletzlich sind oder im Irrtum oder zu ungeschickt oder zu schwach und natürlich tun wir gern alles, um bloß nicht da durch zu müssen. Aber beim Improvisieren kommt zwangsläufig irgendwann ein Punkt, da klappt etwas nicht und der Kopf ist einfach leer oder das, was man stotternd herausbringt, ist völlig Banane. Man scheitert. Es geht gar nicht anders.  Und dann merkt man plötzlich, dass das gar nicht so schlimm ist. Man kommt dadurch. Man kann das aushalten. Mehr noch: Man kann sogar darüber lachen.

2. Für alles offen sein – und trotzdem klare Entscheidungen treffen

Eigentlich ist das genau das Motto, mit dem ich in der Regel zum Reportage-Dreh gehe. Nicht um auf Teufel komm raus meine eigene Geschichte durchzusetzen, sondern offen und neugierig zu gucken, was da eben kommen und passieren mag. Trotzdem muss ich aber vor Ort oft Entscheidungen treffen, meistens blitzschnell. Das passiert nicht nur im Beruf, sondern auch privat, manchmal mit mehr, manchmal mit weniger Druck. Aber flexibel und entscheidungsfreudig zugleich zu sein, das ist gar nicht so leicht. Genau genommen ist das sogar ganz schön fies – und endet gern in offener Panik. Aber das Wochenende hat gezeigt: Es geht. Ganz ohne Verkrampfen und Schweißausbrüche.

3. Vertrauen

Ja genau, dieses nervige, leidige Vertrauen. Sich selbst, dem Gegenüber, der Gruppe, dem Moment. Alles ziemlich herausfordernd, vor allem (für mich zumindest) das letzte: Meine Impulse nicht zu hinterfragen, nicht alles zu überprüfen, was mir spontan in den Sinn kommt, sondern einfach loszulegen, das fällt mir niemals leicht. Dabei ist die Kritikerstimme im Kopf auszuschalten etwas, dass wirklich jeder lernen sollte, der in irgendeiner Form kreativ sein will. Und die Impro-Übungen führen dich Stück für Stück genau dahin. Solange, bis da plötzlich etwas ist, mit dem man im Alltag schon gar nicht mehr wirklich rechnet: Innere Freiheit.

4. Ja sagen

Nicht im Sinne eines Fußabtreters natürlich, der es nicht schafft auch mal nein zu sagen und an sich selbst zu denken, sondern als Gefühl der Offenheit. ‚Ja‘ sagen als sich-einlassen, als große Akzeptanz dessen, was eben geschieht, ohne eigene Pläne im Kopf. Man lernt, dem anderen zuzuhören, nicht nur mit den Ohren und Augen, sondern – so verrückt das klingt –  mit dem ganzen Körper.

Raum_Fotor

Ich könnte noch stundenlangen weiter quatschen oder im Detail erzählen was wir denn da nun eigentlich die ganze Zeit gemacht haben und wie es mich erleuchtet hat. Om. Aber ehrlicherweise ist das was, das muss man wirklich selbst erleben. Und deshalb verordne ich hiermit jedem eine Improvisations-Kur. Die hilft nämlich gegen so ziemlich alles: Gegen Schüchternheit, gegen Selbstzweifel, gegen Arroganz, gegen Entscheidungsunfreudigkeit, gegen Verbissenheit,  gegen Ängste.

Wer in Berlin ist und auch will, der findet hier den perfekten Ausgangspunkt. Ich selbst mache übrigens nach meinem Schnupperkurs mit dem Anfängerkurs weiter. Der beginnt zwar erst im März, aber das macht ja nichts. Bis dahin improvisiere ich einfach mein Leben.

2 Kommentare

Gib deinen ab →

  1. die fotos sind ganz vorzüglich gelungen!!!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: