Gold und Glattauer

Es ist geschafft, Gott sei Dank: Meine erste Lesung. Ich habe sie wortwörtlich über die Bühne gebracht und zwar vor aufmerksamer Jury, stolzer Mutter, lauschendem Publikum und veranstaltungsangemessenen Cupcakes.

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Für die süßen Dinger war mir aber leider doch ein bisschen zu flau im Magen, zumindest am Anfang. Da hatte ich nämlich das große Hände-Zittern und Nach-Hause-Wollen, denn auch wenn mir das jetzt wieder keiner glaubt: Ich werde nervös wenn ich im Mittelpunkt stehe. Also zumindest dann, wenn es um etwas geht, das mir am Herzen liegt – oder gar aus meiner Hand stammt. Auch das Blog-Schreiben und Von-Euch-Gelesen werden ist übrigens eine Art schleichender Dauertherapie, was aber ja auch ganz gut in unser Zeitalter passt und damit quasi durch sich selbst eine Berechtigung hat. Selbstzweck als Selbstzweck, moderner geht es ja kaum.

Relativ modern war auch meine Geschichte. Ansonsten ging es oft sehr blutig zu. Am Ende gab es aber trotzdem keine Blutkonserven sondern Goldbarren, in meinem Fall 2 Gramm – ich hoffe ich verliere sie nicht. Das eigene Bankschließfach lohnt sich da ja leider noch nicht, aber wer weiß; vielleicht ist das der Anfang einer großen Sparkarriere. Wäre nicht das verkehrteste. Auch Bücher und eine Urkunde haben wir natürlich bekommen und außerdem zwei Flaschen Wein. Da habe ich nun bestimmt nichts gegen, ganz im Gegenteil, aber ich war trotzdem ein ganz klein bisschen neidisch auf die Teilnehmer der Kinder- und Jugendkategorie. Die haben nämlich einen Jahresvorrat Eis bekommen. Hätte ich jetzt auch nicht verkehrt gefunden.

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Noch einen Grund gab es auf die Jugend neidisch zu sein, nämlich die Gewinnerin der Schreiberlinge unter 19. Die hat nämlich unfassbar gut gelesen und zwar einen Text, der auch noch unfassbar gut geschrieben war. Dann stellte sich die junge Dame auch noch als unfassbar sympathisch heraus und ich musste beschämt eingestehen: Ich war mit 17 nicht annähernd so cool. Was mich übrigens auf eine neue Blog-Eintrags-Idee gebracht hat – freut euch schon mal auf unsagbar peinliche, aber grenzenlos amüsante Auszüge aus meinem Tagebuch.

Wie auch immer: Ich habe mich auf den dritten Platz gelesen und bin damit reichlich zufrieden. Und richtig stolz bin ich darauf, dass mein Text ganz offenbar auch Daniel Glattauer gefallen hat. Den darf ich jetzt nämlich treffen und das schadet ganz sicher nicht. Der Mann war immerhin schon mal für den deutschen Buchpreis nominiert.

Ein letztes noch; nach dem Abklingen der ersten Nervosität musste ich beim Lesen nämlich überrascht erkennen: Das macht mir ja tatsächlich Spaß! Sonst stehe ich beim Reden ja eher einsam in der Tonkabine statt angeleuchtet hinterm Podium, aber ich muss sagen: Ich könnte mich dran gewöhnen. Das hat mich dann doch etwas verblüfft, ihr erinnert euch sicher, es ist ja erst ein paar Zeilen her, dass ich es mal wieder erwähnte: Ich mag es gar nicht im Rampenlicht. Beziehungsweise mochte es nicht. Beziehungsweise werde es nicht gemocht haben, ich bin mir nicht ganz sicher wo zwischen den Beugungsformen ich mich gerade befinde. Aber zumindest scheine ich auf einem guten Weg zu sein. Liegt sicher auch an den wöchentlichen Therapiesitzungen hier.

2 Kommentare

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  1. Herzlichen Glückwunsch! Und für den Blogtext zum Gewinn möchte man dir gleich noch ein halbes Gramm Gold schenken. (Ich suche mal nach den Lindt-Hasen vom Frühjahr …)

  2. Die „Unfassbare“ bedankt sich herzlich für all die überschwänglichen Komplimente! Und kann sie postwendend zurück erteilen! Wenn du mir von deinem Meet&Greet erzählst, berichte ich von meinem „Coaching“ und trete dir mindestens ein (Trost-) Eis ab, versprochen!

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