Ich lese in Österreich

Baden

Genauer: Ich muss in Österreich lesen. Müssen ist natürlich immer relativ, ich könnte auch zu Hause bleiben und Filme gucken. Dann hätte ich allerdings keine Chance mehr, den Literaturwettbewerb des Kulturfestivals art.experience zu gewinnen und das wäre doch irgendwie schade.

Aber der Reihe nach. Als ich vier Jahre alt war, fragte mein Hausarzt mich einmal was ich werden will. Ohne zu zögern antwortete ich: Buchmacherin! Was zum einen zeigt, dass ich die deutsche Sprache noch nicht im vollen Umfang begriffen hatte und zum anderen beweist, dass das Geschichten erzählen immer das war, was mich am meisten faszinierte. Das hat sich bis heute nicht geändert. Aus Schüchternheit und Angst beließ ich es viele Jahre hauptsächlich dabei in zwei Minuten zu erzählen, warum Powerbands ein neuer Trend sind, was Daniel Radcliffe auf der Premiere seines neuen Films über Sex verrät und dererlei mehr. Das mache ich nun immer noch sehr gern, aber eben nicht mehr ausschließlich.

Meine Versuche mich darüber hinaus auch als Schriftstellerin zu betätigen, sind allerdings immer noch ein wenig zaghaft und belaufen hauptsächlich auf  die berühmten Schubladen-Manuskripte und die Teilnahme an dem ein oder anderen Wettbewerb. Einer davon ist zeilenlauf, eine Ausschreibung die zwar kein Thema vorgibt, aber dafür eine verdammt schwierige Länge, nämlich 1000 Worte. Das ist weiß Gott nicht viel wenn man eine ganze Story erzählen soll (zum Vergleich: der erste Band von Harry Potter hatte 76.944), aber auch bei diesem Problem half mein tagtäglicher Job. In dem heißt es nämlich nicht umsonst: Und bist du noch so fleißig, es geht auch in 1:30!

Ging es auch. Ich schrieb auf den Punkt 1000 Worte über die Welt des Großstadt-Online-Datings und diese scheinen zumindest soweit überzeugt zu haben, dass ich mit fünf anderen zum Finale ins österreichische Baden eingeladen wurde, um sie dort vor ungefähr 300 Leuten vorzutragen. Danach wird entschieden, wer denn nun eigentlich gewonnen hat. Das ganze passiert am Sonntag, dem 09.11.2014, also bitte, bitte Daumen drücken. Denn leider habe ich nicht all zu viel Ahnung vom Vorlesen. Vortragen, ja, Vertonen, okay, aber Vorlesen? Keinen blassen Schimmer. Aber was soll’s, zumindest komme ich so mal wieder nach Österreich.

P.S.: Vielen Dank an alle, die mich aus Verpflichtungen entlassen haben, damit ich diesen Trip überhaupt machen kann – von Auftraggebern über Cousinen bis hin zu Geburtstagskindern.

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