Papierschnitt und Elektroschock

Unsortiert, aber schön.Neulich geriet ich in eine Diskussion über E-Books beziehungsweise deren Leser. Zu denen gehöre auch ich hin und wieder, insofern hege ich diesbezüglich eher neutrale bis positive Gefühle und vertrat einen entsprechenden Standpunkt. Anders mein Gegenüber. Das verteufelte nämlich sowohl das elektronische Buch an sich, als auch dessen Konsumenten und das meine ich wörtlich; so war unter anderem die Rede von Seelenlosigkeit und Gefühlserstarrung. Wer das Haptische des Buches nicht suche, so die These, der sei auch sonst nicht in der Lage, in einen bedeutsamen Kontakt zu treten, was sich im Übrigen nicht nur auf Dinge, sondern auch auf Menschen erstrecke.

Das finde ich übertrieben.

Natürlich: Ich liebe Bücher. Physische, erfahrbare Bücher, vor allem aus zweiter Hand, jene Exemplare also, die schon ein anderer gelesen hat, die eine Vergangenheit haben, eine Geschichte. Eine Biographie, die vorerst in meinem extra dafür angefertigten Regal endet, aber auch danach noch irgendwie und irgendwo weitergeht, zumindest hoffe ich das. Von Buchständen auf dem Flohmarkt kann man mich nur mit körperlicher Gewalt weghalten und als ich noch in Leipzig wohnte, verabschiedete mich der Verkäufer im nächsten Antiquariat gerne mit einem freundlichen: ‚Bis morgen!‘

Kurzum: Ja, auch ich ziehe in der Regel das gedruckte Buch vor. Das heißt aber nicht, dass ich nun zwangsläufig alles ablehne, was man nicht auf klassische Art in die Hand nehmen und durchblättern kann. Es gibt sogar Geschichten, bei denen ich es vorziehe, sie elektronisch zu konsumieren. Als da wären:

  • Bücher, die zu schwer sind um sie ständig mit sich herumzuschleppen (Neal Stephenson! )
  • Bücher, mit denen man eigentlich nicht gesehen werden will (Star Trek: Borg-Attacke!)
  • Ratgeber (Wie schreibe ich ein E-Book in 10 Tagen!)
  • Bücher, die es nur als E-Books gibt (Fürstenschund!*)
  • Alles, was mehr als einen Band hat, zumindest sobald man sich dem Ende eines Bandes nähert und auch noch den nächsten einstecken müsste (Hunger Games!)
  • Bücher, die man einfach gern dabei hat (Terry Pratchett!)

Persönlich fände ich es ja toll, wenn in jedem Buch, das man sich kauft, vorne ein kleiner QR-Code wäre, der einem zusätzlich das E-Book auf’s Handy oder den Reader bringt. Hin und wieder wird das ja schon gemacht und ich kann das nur gut heißen; so kann man zu Hause auf dem Balkon den Genuss der althergebrachten Lektüre erfahren, aber in der U-Bahn mit leichtem Gepäck reisen. Zugegeben: Bei meinem Fetisch für Second-Hand-Bücher wäre das auch keine Hilfe, aber zumindest alles, was neu erscheint, könnte mich so gleich doppelt erfreuen. Falls ich das Recht auf Freude nicht längst verwirkt habe, weil ich so dumm war, meine Seele an Kindle und Co. zu verkaufen.

*Dazu bald mehr!

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